Home Themen Zahlungsverkehr / Kartensysteme SEPA im Kartenzahlungsverkehr und die Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS)

Die Initiative zur Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsraumes (SEPA) ist maßgeblich durch den politischen Wunsch der EU-Mitgliedsländer, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) entstanden. In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), die den Euro als gesetzliche Währung haben, sind derzeit mehr als 350 Millionen Karten in Umlauf. Mit diesen Karten erfolgen jedes Jahr mehr als zwölf Milliarden Zahlungstransaktionen und sechs Milliarden Bargeldabhebungen.
SEPA für Karten bedeutet, dass der Karteninhaber aus einer Vielzahl von miteinander konkurrierenden Zahlungskartensystemen wählen kann, die beim Einsatz an elektronischen Kassenterminals oder an Geldautomaten gleichberechtigt behandelt werden. Nach Definition der EZB bedeutet SEPA für Karten einen wettbewerbsorientierten, zuverlässigen und kosteneffizienten Kartenmarkt zu schaffen, der Anbieter von Dienstleistungen und von Infrastrukturen umfasst. Alle technischen und vertraglichen Bestimmungen, Geschäftspraktiken und -standards, die zuvor zu einer Segmentierung des Euroraums in nationale Märkte geführt haben, werden abgeschafft.
Die europäische Kreditwirtschaft bündelt ihre Aktivitäten zur Schaffung der SEPA über den im Juni 2002 gegründeten European Payment Council (EPC). Für Zahlungskarten wurde im März 2006 das SEPA Cards Framework (SCF) in der Version 2.0 verabschiedet, worin die Kreditwirtschaft in Europa die wesentlichen Rahmenbedingungen, allgemeine Grundsätze und Regeln für Banken und Kartensysteme im SEPA-Raum beschreibt. Insbesondere gibt es für Händler keine Hindernisse, alle Zahlungskarten zu akzeptieren, die dem SCF für die Abwicklung von SEPA-Kartenzahlungen entsprechen.
Bi- bzw. multilaterale Allianzen stellen eine Option dar, die SCF-konformen Zahlungssysteme, parallel neben der Ausweitung des Angebotes auf den gesamten SEPA-Raum, in dem SEPA aufzustellen. Die deutsche Kreditwirtschaft hat sich mit den Zahlungssystemen „electronic cash“ und „Deutsches Geldautomatensystem“ zu einer entsprechenden Debitkartenstrategie entschlossen.
Wichtige europäische Karten-Zahlungssysteme haben sich für eine Weiterentwicklung ihrer Systeme und die Bildung von Allianzen entschieden, um die Vorgaben des SCF zu erfüllen. Ziel ist ein europäisches Bündnis von Zahlungssystemen. Einzelne Zahlungssysteme haben zunächst bilaterale Verträge mit Zahlungssystemen in anderen Mitgliedstaaten geschlossen, um eine gegenseitige Akzeptanz der im den Systemen zugelassen Karten an den automatisierten Kassen (POS-Terminals) und Geldautomaten der Partner zu ermöglichen. Ab 2008 sollen die bilateral vereinbarten Allianzen in eine Gesellschaft überführt werden, so dass eine einheitliche rechtliche Grundlage besteht. Die Gründung dieser europäischen Allianz von Zahlungssystemen, der EAPS (Euro Alliance of Payment Schemes) ist für Anfang November 2007 geplant.
Im August 2006 hatten sechs Kartenzahlungssysteme einen Konsortialvertrag abgeschlossen und sich auf eine Verknüpfung ihrer Debitkartensysteme verständigt. Folgende Zahlungssysteme sind Unterzeichner des Konsortialvertrages und beabsichtigen Mitglieder der zukünftigen EAPS zu werden:
für die Bereiche automatisierter Kassen (POS) und Geldautomaten sowie
für den Bereich Geldautomaten.
Mit der Gründung der EAPS wird eine von den Angeboten der globalen Kartenorganisationen unabhängige Alternative für die Abwicklung von Kartenzahlungen geschaffen. Die Allianz der europäischen Kartensysteme ist offen für alle Zahlungssysteme, die ihre Systeme unter Berücksichtigung des SCF weiterentwickeln wollen. Es wurde ein gemeinsames Akzeptanzlogo für die EAPS entwickelt, unter dem die Karten der beteiligten Kartenausgeber innerhalb der Allianz an allen POS-Terminals und Geldautomaten der beteiligten Acquirer akzeptiert werden. Die nationalen Logos der beteiligten Zahlungssysteme bleiben erhalten. Auch nach der Gründung des EAPS bleibt es bei der zum Teil sehr unterschiedlichen Festlegungen hinsichtlich der geschäftspolitischen Rahmenbedingungen („Governance“) sowie bei unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Eine Anpassung der nationalen Systeme der EAPS-Beteiligten oder Einflussnahme im Rahmen der EAPS ist zunächst nicht beabsichtigt.
Durch die EAPS soll eine europaweite Akzeptanz von Debitkarten ermöglicht werden, ohne dabei einen zwischengeschalteten Prozessor, zum Beispiel Maestro, nutzen zu müssen. Der ersten bilateralen Transaktionen wurden bereits im Frühjahr 2007 zwischen Deutschland und Italien in mehreren Piloten erfolgreich ausgetauscht, im Anschluss dann im Regelbetrieb. Ab Januar 2008 werden die ersten Transaktionen an POS-Terminals und Geldautomaten dann im Rahmen der EAPS abgewickelt.