Bankenverband VÖB: Regulierungskosten verschärfen angespannte Ertragslage - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

9. Juni 2017: Bankenverband VÖB: Regulierungskosten verschärfen angespannte Ertragslage

Lothar Jerzembek, Mitglied der Geschäftsleitung
Die regulatorischen Anforderungen für Banken werden die Finanzierungskapazitäten der deutschen Kreditinstitute für die Realwirtschaft erheblich einschränken. Das ist das zentrale Ergebnis der neuen Studie „Zusammenspiel von Regulierung und Profitabilität“ des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB.

Lothar Jerzembek, Mitglied der Geschäftsleitung: „Wir haben aus den Daten der deutschen Top-17-Banken eine Musterbank erstellt und die Folgekosten der Regulierung untersucht. Obwohl die deutschen Kreditinstitute schon umfangreich Eigenkapital aufgebaut und Risiken abgebaut haben, benötigen sie noch 58 Milliarden Euro hartes Kernkapital, um eine notwendige Eigenkapitalquote von 13 Prozent auszuweisen. Alternativ könnten die deutschen Banken auch ihren Kreditbestand um rund 1.100 Milliarden Euro reduzieren. Dies hätte aber gravierende Folgen für Unternehmen und Privatkunden, wenn sich das derzeit gute konjunkturelle Umfeld verschlechtern sollte.“

Insbesondere der neue Regulierungsstandard Basel IV wird nach Meinung des VÖB die deutschen Institute vor große Herausforderungen stellen. „Sollte Basel IV tatsächlich Inkrafttreten, dann erwarten wir eine Ausweitung der risikogewichteten Aktiva von mindestens 30 Prozent und entsprechenden Bedarf an Eigenkapital.“ warnt Jerzembek.

Anlass zur Sorge bereitet nach Einschätzung des Spitzenverbandes der öffentlichen Banken auch die Ertragssituation. Jerzembek: „Die Eigenkapitalrendite beträgt nach den Regulierungseffekten nahe null Prozent und liegt damit weit unter den Eigenkapitalkosten von circa acht Prozent. Im Vergleich zur Vorgängerstudie hat sich diese Lücke weiterhin vergrößert. Damit sind die Banken kaum in der Lage, ihr Eigenkapital aus eigener Kraft zu stärken oder externe Investoren zu gewinnen. Langfristig ist das so nicht tragbar.“

Für die Zukunft fordert Jerzembek, dass die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit der Kreditinstitute bei weiteren Regulierungsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Andernfalls werden unregulierte Finanzmarktakteure und Schattenbanken ihre Aktivitäten zunehmend ausbauen. Auch Auslandsbanken, die einem lockereren Regulierungsrahmen unterliegen, werden ihre Präsenz stärken. Sein Fazit: „Banken müssen mindestens die Kosten des Eigenkapitals verdienen, denn nur Banken, die nachhaltig Geld verdienen, sind auch stabil und bleiben solide Partner der Wirtschaft.“

Die vollständige Studie „Zusammenspiel von Regulierung und Profitabilität - eine quantitative Impact-Studie für die deutschen Top-17-Banken“ steht hier zum Download bereit.

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