Ein einheitlicher europäischer Standard für den Zugang zu Bankkonten - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

13. Juni 2017: Ein einheitlicher europäischer Standard für den Zugang zu Bankkonten

Berlin

Die Deutsche Kreditwirtschaft
Die NextGenPSD2-Initiative, eine themenbezogene Arbeitsgruppe der Berlin Group, gab heute die Erstellung eines offenen, gemeinsamen und harmonisierten europäischen Standards für Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces, API) bekannt, der Drittanbietern (Third Party Providers, TPP) den Zugang zu Bankkonten unter der überarbeiteten Zahlungsdienstrichtlinie 2 (Payment Sercices Directive 2, PSD2) ermöglichen soll. Ziel ist zunächst die Vorbereitung von Abstimmungen mit den Marktteilnehmern im dritten Quartal 2017. Die Initiative will Drittanbieter bei der Bereitstellung innovativer Lösungen für Kunden unterstützen. Hierzu werden neuste Programmierschnittstellen verwendet, die einen geschützten Zugang zu Bankkonten gewährleisten.

Mit der Festlegung eines einheitlichen, interoperablen API-Standards für eine europäische XS2A-Schnittstelle zwischen Banken und TPPs zielt die NextGenPSD2-Initiative darauf ab, die Komplexität des Kontenzugriffverfahrens "PSD2 Access-to-Accounts (XS2A)" zu reduzieren, das Problem mehrerer konkurrierender Standards anzugehen und die höchstmögliche Interoperabilität und Zugänglichkeit innerhalb Europas zu gewährleisten. So können europäische Bankkunden von innovativen Produkten und Dienstleistungen ("Banking-as-a-Service") profitieren, wenn TPPs ein sicherer und geschützter Zugang zu Bankkonten und Finanzdaten eingeräumt wird. Für den Kunden soll das Ganze reibungslos vonstattengehen.

Aufgebaut als Regelwerk für den Kontenzugang ("Access-to-Account-Framework") wird der Standard operative Regelungen und Umsetzungsrichtlinien mit detaillierten Datenspezifikationen, Nachrichtenmodellierung und Informationsströmen auf Basis des RESTful-API-Verfahrens enthalten.

In den letzten Jahren haben sich europäische Bürger und Unternehmen daran gewöhnt, Daten über APIs, die inzwischen zum gängigen Branchenstandard geworden sind, auszutauschen und zu bündeln. Im Zuge der Öffnung des Zugangs zu Kontoinformationen durch die europäische Finanzindustrie im Rahmen von PSD2 sind gemeinsame APIs die sicherste und effizienteste Methode, Daten sicher zu übermitteln und dabei das Problem mehrerer konkurrierender Standards anzugehen. Die NextGenPSD2-Initiative orientiert sich dabei an den Zielen des von der Europäischen Zentralbank (EZB) geleiteten Euro Retail Payment Board (ERPB).

Um sicherzustellen, dass die Interessen aller Beteiligten und Akteure berücksichtigt werden, wird der noch in der Entwicklungsphase befindliche Standard den Markteilnehmern nach dem Sommer zu Beratungen vorgelegt. Einzelheiten zu der Initiative und den bevorstehenden Beratungen finden sich unter www.berlin-group.org/psd2-access-to-bank-accounts. Die NextGenPSD2-Initiative beabsichtigt den Standard vollständig und detailliert im vierten Quartal 2017 zu veröffentlichen.

Die Teilnehmer der NextGenPSD2-Initiative arbeiten in einer einzigartigen Partnerschaft zusammen, die von der gemeinsamen Vorstellung getragen wird, dass offene und harmonisierte PSD2 XS2A-Schnittstellenstandards für Prozesse, Daten und Infrastrukturen die notwendigen Bausteine für einen offenen, interoperablen Markt darstellen. Echte Interoperabilität ist ein unverzichtbarer Bestandteil wettbewerbsfähiger, europaweiter PSD2 XS2A-Dienstleistungen, die zu weiteren Fortschritten auf dem Wege zum einheitlichen europäischen Binnenmarkt führen werden und der Zahlungsindustrie im Allgemeinen sowie den europäischen Verbrauchern und Unternehmen im Besonderen zugutekommen.


Hinweise für Redakteure:

Über die NextGenPSD2-Initiative
Die NextGenPSD2-Initiative ist ein Zusammenschluss von 26 Organisationen zur Schaffung von offenen, zweckbezogenen Industriestandards auf europaweiter Ebene. Die Organisationen verteilen sich auf alle EU- Mitgliedsstaaten und stellen einen repräsentativen Querschnitt der europäischen Banken- und Zahlungsindustrie dar. Die Initiative ist nicht auf eine bestimmte Bank beziehungsweise Bankengruppe oder Vermittler (Processor) beschränkt und führt gemeinsame technische und organisatorische Interessen aus dem nicht wettbewerbsorientierten Sektor mit heterogenen Akteuren (Stakeholder) zusammen. Ferner ist die Initiative offen für Kooperationen und Zusammenarbeit mit entsprechenden anderen offenen Bankeninitiativen sowie für die weitere Teilnahme von europäischen Banken, Bankenverbänden, Zahlungsverbänden, Zahlungssystemen und Interbankenvermittlern (Processors). Die Initiative wurde als "Open Source-Initiative" gegründet, innerhalb welcher die Teilnehmer ihre eigenen Kost!
en (es fallen keine Mitgliedschaftsgebühren an) übernehmen, und eventuell anfallende Schutzrechte an geistigem Eigentum, die sich aus den Interoperabilitätsarbeiten ergeben, sollen allgemein zur freien Verfügung zugänglich gemacht werden.

Die vollständige Liste der Teilnehmer und der entsprechenden Firmenlogos findet sich unter www.berlin-group.org/psd2-access-to-bank-accounts.

Über die Berlin Group
Die Berlin Group ist eine europaweite Initiative zur Vereinheitlichung von interoperablen Zahlungsstandards mit der Kernaufgabe, einen offenen und gemeinsamen Standard innerhalb des Interbankenumfelds zu schaffen. Die Berlin Group trat erstmals in Berlin im Oktober 2004 zusammen. Die Teilnehmer kommen aus Banken, Bankenverbänden, Zahlungsverbänden, nationalen und internationalen Zahlungssystemen sowie Interbankenvermittlern (Processors) aus dem Bereich der Single Euro Payments Area (SEPA). Andere Standards, die bisher realisiert wurden, beziehen sich auf die Verarbeitung von Kartenzahlungen sowie auf mobile P2P-Interoperabilität.

Weitere Informationen finden sich unter www.berlin-group.org.

Euro Retail Payments Board (ERPB)
Die von der EZB geleitete sektorübergreifende ERPB-Gruppe hat zu verstehen gegeben, dass die PSD2-Ziele nicht ohne ein hohes Maß an Koordination zwischen den Herstellern von Schnittstellenstandards und ergänzenden Dienstleistungen erreicht werden können. Die NextGenPSD2-Initiative arbeitet an Schnittstellenstandards wie sie vom ERPB in der Sitzung im November 2016 gebilligt wurden (www.ecb.europa.eu/paym/retpaym/euro/html/index.en.html).

Grundlagen zur PSD2-Gesetzgebung und zum Kontenzugangsverfahren ("Access-to-Account")
Die Aufsichtsbehörden sind in Europa die wesentlichen Antriebskräfte für die Einführung der gemeinsamen Nutzung von Bankdaten und für die Förderung von offenen Bankenschnittstellen gewesen. Die überarbeitete Zahlungsdienstrichtlinie (EU 2015/2366, auch PSD2 genannt) führt neue Dienstleistungen zur Zahlungsveranlassung ("Payment Initiation") und für Kontoinformationen ein. Diese Dienstleistungen werden von beaufsichtigten Drittanbietern (Third-Party-Providers, TPPs) ausgeübt und durch eine spezielle Kontozugangsschnittstelle (XS2A) zwischen Banken und TPPs ermöglicht. Weitere Vorgaben zur Umsetzung und Nutzung der XS2A-Schnittstelle werden in den von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zu erstellenden technischen Regulierungsstandards (Regulatory Technical Standard, RTS) festgelegt.

Weder PSD2 noch EBA-RTS verlangen, dass die XS2A-Schnittstellen aller Banken auf einem einzigen Standard beruhen müssen. Dies könnte zu dem Problem miteinander konkurrierender Standards im Markt führen. Bei Tausenden von Banken und TPPs in Europa würde die Entwicklung, Umsetzung, Dokumentation sowie das Testen und die Pflege von eigenen, bankspezifischen XS2A-Kommunikationsstandards zu umfangreichen Investitionen und IT-Aufwand im gesamten Markt führen. Dies gilt umso mehr angesichts der Markterwartungen bezüglich Sicherheit, Leistung und zukünftigem Innovationspotenzial.



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+49 228 2806 181
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