Studie: Drei Jahre EZB-Wertpapierankäufe - Folgen für die Anleihemärkte - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

5. April 2018: Studie: Drei Jahre EZB-Wertpapierankäufe - Folgen für die Anleihemärkte

Studie: Drei Jahre EZB-Wertpapierankäufe - Folgen für die Anleihemärkte
Notenbankpolitik fand seit der Finanzkrise nur noch im Ausnahmezustand statt. Das gilt in doppelter Hinsicht: sowohl in Bezug auf das Ziel der Stabilisierung eines Finanzsystems, das unter dem Hochpunkt eines enormen Kreditzyklus ächzte, als auch mit Blick auf die Instrumente, die in Gestalt von Negativzinsen und enormen Markteingriffen historisch beispiellos sind und manchem Beobachter „exorbitant“ erscheinen.

Doch haben die Notenbanken uns mit ihrer Ausnahmepolitik vor einer gewaltigen Depression bewahrt? Oder haben sie uns im Gegenteil großen Gefahren ausgesetzt? Oder ist es sogar völlig gleichgültig, was die Notenbanken da treiben? Diese Fragen werden in den kommenden Jahren von der Wirtschaftswissenschaft, der Politik und am Ende von den Wirtschaftsteilnehmern selbst, den privaten Haushalten und den Unternehmen, beantwortet werden können. Die vorliegende Studie will bereits heute einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen leisten.

Im Folgenden werfen wir daher einen (kritischen) Blick auf die Anleihekaufprogramme der Notenbanken – und hier insbesondere der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB besitzt mittlerweile in einigen Segmenten substanzielle Anteile an den Gesamtbeständen der europäischen Anleihemärkte. Es gibt Anzeichen, dass private Investoren aus diesen Märkten verdrängt wurden. Während die Marktanteile der EZB je nach betrachtetem Segment noch sehr unterschiedlich ausfallen, ist die EZB bei den laufenden Umsätzen nach der Erfahrung von Marktteilnehmern in fast allen Bereichen des europäischen Anleihemarktes dominierend – bis hin zum Phänomen der ausgetrockneten Märkte.

Diese Publikation soll dazu dienen, einige Beobachtungen und Thesen rund um die Auswirkungen der Notenbank zur Diskussion zu stellen. So wurden einige der makroökonomischen Ziele der Geldpolitik des sogenannten „Quantitative Easing“ (QE) durchaus erreicht. Aber es gibt auch Bedenken gegenüber einer Reihe von schädlichen Nebenwirkungen dieser Programme. So sind die Koordinierungsfunktionen der Märkte unter Druck geraten. Preise liefern keine verlässlichen Informationen mehr über Kreditqualitäten und Investitionsmöglichkeiten. Mit der Fungibilität ist eine weitere wichtige Funktion von Anleihen gefährdet. Zudem lassen sich höhere Risiken in den Portfolios von Anlegern identifizieren. Dies ist eine direkte Folge und auch der Zweck von QE-Programmen, könnte allerdings den Grundstein für die nächste Krise legen, wenn diese Risiken mittel- bis langfristig nicht wieder abgebaut werden.

An der vorliegenden Studie haben führende Ökonomen der Mitgliedsbanken des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, mitgewirkt. Naturgemäß spiegelt der Inhalt nicht immer an allen Stellen die Meinung aller Vertreter im Beirat für Wirtschaftsfragen des VÖB wider. Durch ihre Expertise konnten aber unterschiedliche Facetten der Geldpolitik auch aus einer praktischen Perspektive beleuchtet werden. Insgesamt geht es nicht um eine „Verteufelung“ der in der Theorie zwar bekannten, aber in der Notenbankpraxis neuen Instrumente der Geldpolitik. Vielmehr soll die Analyse einer wohlüberlegten Abwägung zwischen positiven und negativen Effekten dienen:

So vermuten wir mit Blick auf unsere Studienergebnisse, dass die positiven Effekte bislang die Geldpolitik und den Einsatz der entsprechenden Finanzinstrumente rechtfertigen konnten. Doch die Waagschale scheint sich immer stärker hin zu den negativen Auswirkungen zu neigen. Deshalb soll die Studie für eine
allmähliche Beendigung der Maßnahmen und damit für ein Auslaufen der Kaufprogramme sensibilisieren.

Publikationen

5. April 2018: Studie: Drei Jahre EZB-Wertpapierankäufe

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