Erhöhung der Eigenmittelanforderungen an das Kontrahentenausfallrisiko - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

20. Juni 2011: Erhöhung der Eigenmittelanforderungen an das Kontrahentenausfallrisiko

Berlin

VÖB
Bereits im September 2009 hatten die G-20-Staaten beschlossen, den Instituten mittels überarbeiteter Eigenmittelanforderungen neue Anreize zu setzen, Handelsgeschäfte über Zentrale Kontrahenten abzuwickeln. Die EU-Kommission ist dem Beschluss gefolgt und veröffentlichte 2010 den Verordnungsvorschlag „European Markets Infrastructure Regulation“ (EMIR) mit neuen Anforderungen an Zentrale Kontrahenten (CCPs) sowie einer Verpflichtung für die Institute, ihre als geeignet definierten OTC-Derivate bis spätestens Ende 2012 über einen CCP abzuwickeln. Der Basel III-Entwurf „A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems“ vom Dezember 2010 verschärfte zudem die Eigenmittelanforderungen an das Kontrahentenausfallrisiko von OTC-Derivaten. Im Januar 2011 wurden weitere Vorschläge zur Eigenmittelunterlegung von Forderungen gegenüber Zentralen Kontrahenten veröffentlicht. Sämtliche Änderungen sind Bestandteil des europäischen CRD IV-Entwurfes, der derzeit konsultiert wird.

Die genaue Höhe der regulatorischen Kapitalanforderung richtet sich danach, ob ein Handelsgeschäft über einen Zentralen Kontrahenten oder bilateral (OTC) abgewickelt wird.

Trade Exposures – darunter fallen zum Marktwert bewertete Handelspositionen, Potential Future Positionen und beim CCP hinterlegte Sicherheiten – die über einen qualifizierten CCP gehandelt werden, sind ab dem 1.Januar 2013 mit einem Risikogewicht von 2 Prozent mit Eigenmitteln zu unterlegen. Berechnungsgrundlage ist der erwartete Positionswert zum Zeitpunkt des Ausfalls inklusive der beim CCP eingezahlten Ausgleichszahlungen. Gleiches gilt für Sicherheitsleistungen, die bei einem qualifizierten CCP hinterlegt werden. Ausgenommen sind jedoch Sicherheiten, bei denen der Zugriff des Verwahrers soweit eingeschränkt ist, dass im Fall seines Ausfalls kein Rückgriff auf die Sicherheit möglich ist (Risikogewicht null Prozent). Positiv hervorzuheben ist, dass auch indirekte Teilnehmer künftig ein Risikogewicht von zwei Prozent ansetzen dürfen, sofern (a) eine klare, insolvenzrechtlich anerkannte Trennung der Vermögenswerte des Nicht-Clearingmitglieds von denen des Clearingmitglieds und (b) eine vertragliche Vereinbarung zur Übertragung von Positionen und Sicherheiten des Nicht-Clearingmitglieds im Falle der Insolvenz des ursprünglich beauftragten Clearingmitglieds auf ein anderes Clearingmitglied vorliegen. Wir haben uns im Rahmen der ZKA-Stellungnahme gegen die Voraussetzung (b) ausgesprochen, da diese praktisch nicht umsetzbar ist. Zudem sollten neben Close-out-Netting-Vereinbarungen auch Payment-Netting-Aufrechnungsvereinbarungen anerkannt werden.

Darüber hinaus sollen Institute, die als direkte Teilnehmer bei einem Zentralen Kontrahenten registriert sind, finanzielle Mittel in einen Ausfallfonds einzahlen, der im Falle einer Insolvenz des Zentralen Kontrahenten eventuelle Verluste abfedert. Die Höhe der regulatorischen Eigenmittelunterlegung für diese Einzahlungen bemisst sich nach einem risikosensitiven Berechnungsverfahren. Ausschlaggebend ist neben der Qualität des Zentralen Kontrahenten der Umfang seiner Kapitalausstattung. Je weniger finanzielle Mittel zur Abdeckung potenzieller Verluste beim CCP zur Verfügung stehen, desto höher sind die Eigenmittelanforderungen der Teilnehmer. Um die Höhe der Eigenmittelanforderungen zu bemessen, führt der Baseler Ausschuss die Rechengröße „hypothetisches Kapital“ ein. Das hypothetische Kapital eines CCPs ist die Summe der Forderungsbeträge aller Teilnehmer an den CCP, gewichtet mit dem (KSA-)Risikogewicht von 20 Prozent und dem Solvabilitätskoeffizienten von acht Prozent. Dem hypothetischen Kapital wird die Vergleichsgröße „prefunded financial resources“ gegenübergestellt, die die gesamten finanziellen Mittel eines CCPs darstellen, die im Falle eines Ausfalls zur Verlustabdeckung zur Verfügung stehen. Bis zu der Höhe, bei der sich finanzielle Mittel zur Verlustabdeckung und hypothetisches Kapital entsprechen, ist der Forderungsbetrag mit 100 Prozent zu gewichten (Risikogewicht von 1250 Prozent × 8 Prozent). Übersteigen die finanziellen Mittel zur Verlustabdeckung das hypothetische Kapital, können diese „überschüssigen“ Forderungsbeträge mit 1,6 Prozent gewichtet werden (Risikogewicht von 20 Prozent × 8 Prozent). Für den Fall, dass die finanziellen Mittel das hypothetische Kapital unterschreiten, sind die Teilnehmer verpflichtet, Nachschusszahlungen zu leisten. Die Nachschusssumme ist für die Berechnung der Eigenmittelanforderung auf 120 Prozent zu erhöhen, und der so ermittelte Betrag ist mit 100 Prozent zu gewichten (Risikogewicht von 1250 Prozent × 8 Prozent).

Die Kapitalanforderungen für bilaterale Geschäftsabschlüsse sollen zudem um einen Kapitalzuschlag für Marktwertschwankungen erweitert werden. Diese „Credit Value Adjustment Charge“ (CVA) kann entweder über einen Standardansatz oder mittels eigenem, internem Ansatz berechnet werden. Voraussetzung für die Anwendung eines internen Modells ist jedoch, dass das Institut sowohl über eine Zulassung zur Exposureschätzung mittels Interner-Modelle-Methode (IMM) als auch über eine Zulassung zur Modellierung spezifischer Zinsrisiken im Marktrisikomodell verfügt. Im Zuge der Auswirkungsstudie vom ersten Quartal 2011 hat der Baseler Ausschuss Nachbesserungen an der Kalibrierung der CVA-Charge vorgenommen. Der zu starken Benachteiligung von Kontrahenten mit einem Rating von CCC in der Standardmethode gegenüber der internen Modelle-Methode wurde durch eine Reduzierung des Risikogewichtes von 18 Prozent auf zehn Prozent entgegengewirkt.


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