Makroprudenzielle Aufsicht - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

15. August 2014: Makroprudenzielle Aufsicht

Während die laufende Beaufsichtigung von Instituten als mikroprudenzielle Aufsicht bezeichnet wird, werden die Überwachung von aggregierten Kenngrößen und eine Vielzahl von Instituten betreffende Maßnahmen als makroprudenzielle Aufsicht bezeichnet. Ziel der makroprudenziellen Aufsicht ist es, Risiken für das gesamte Finanzsystem zu erkennen, zu bewerten und zu mindern. Bei der Umsetzung spielt in Deutschland der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) eine zentrale Rolle. Auf Europäischer Ebene nimmt neben dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) auch die Europäische Zentralbank (EZB) Aufgaben der makroprudenziellen Überwachung wahr.
Die EZB 2010 hat das Macro-prudential Research Network (MaRs), bestehend aus Vertretern der volkswirtschaftlichen Abteilungen der nationalen Zentralbanken sowie der EZB, beauftragt, die wissenschaftliche Fundierung der Konzepte, Modelle und Maßnahmen für die makropudenzielle Aufsicht sicherzustellen. Forschungsschwerpunkte des Netzwerks sind neben der Entwicklung von Frühwarnindikatoren für zukünftige Finanzkrisen auch die Effekte einer differenzierten Bankenregulierung und deren Wirkung auf die Finanzstabilität innerhalb der Europäischen Union.
Im Fokus der Forschungsarbeit steht insbesondere die Finanzierung des Immobiliensektors. Neben indirekten Maßnahmen im Rahmen der Vorgaben zu Kapitalpuffern diskutiert MaRs beispielsweise eine direkte Einflussnahme auf die Kreditvergabe von Instituten durch die Einführung von Verschuldungs- (Loan-to-Value) oder Einkommensquoten (Debt-to-Income) in Bezug auf die maximale Kredithöhe. Die Analyse von MaRs stützt sich dabei auf positive Erfahrungen in China und Singapur. In diesen Ländern konnte mit den genannten Maßnahmen eine Stabilisierung der Immobilienwerte erreicht werden. Weitere Vorschläge umfassen unter anderem die Implementierung sektoraler Risiko-gewichte und Großkreditgrenzen.
Die EZB betont die zukünftige Bedeutung selektiver bankaufsichtlicher Maßnahmen, um eine zielgerichtete Geldpolitik der zu unterstützen sowie eine effektive Steuerung von systemischen Risiken sicherzustellen.
Die in der EU-Bankenverordnung (CRR) sowie der EU-Bankenrichtlinie (CRD) vorgesehenen makropru-denziellen Maßnahmen umfassen neben zusätzlichen Kapitalanforderungen (Kapitalpuffer) die Festlegung höherer Eigenmittelanforderungen für immobilienbesicherte Forderungen, Einzelmaßnahmen der Mitgliedstaaten sowie eine Verschärfung der Vorgaben zum Risikomanagement.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat die genannten Maßnahmen in ihrer Stellungahme (EBA/Op/2014/06) hinsichtlich folgender Zielkriterien analysiert:
  • Finanzstabilität
  • Schutz des EU-Binnenmarktes
  • Klare Zieldefinition der Einzelmaßnahmen
  • Transparenz der Maßnahmen
  • Konsistenz zu den Vorgaben des Baseler Ausschusses

Nach Einschätzung der EBA erfüllen lediglich die zusätzlichen Kapitalanforderungen in Form des antizyklischen sowie des Kapitalpuffers für global systemrelevante Institute die Zielvorgaben vollumfänglich.
Die Analyse der EBA zeigt uns, dass jeder diskretionäre Eingriff im Rahmen der makroprudenziellen Aufsicht auf seine Zielstellung und Transparenz zu überprüfen ist. Insbesondere eine instituts- oder länderspezifische Anordnung von Maßnahmen ist vor dem Hintergrund eines „Level-Playing Fields“ kritisch zu bewerten. Wir kritisieren, dass Markteingriffe durch selektive bankaufsichtliche Einzelmaßnahmen ordnungspolitisch problematisch wegen möglicher externer Effekte erscheinen.

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