Expected Credit Losses zwischen Bilanzierung und Bankenaufsichtsrecht - Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, e.V.

26. August 2015: Expected Credit Losses zwischen Bilanzierung und Bankenaufsichtsrecht

Mit IFRS 9, Finanzinstrumente, hatte der International Accounting Standards Board (IASB) sein Modell der eingetretenen Verluste in das Modell der erwarteten Verluste verändert. Damit hat er Forderungen nach einer frühzeitigeren und angemesseneren Bildung von Kreditrisikovorsorge im Zuge der Finanzkrise Rechnung getragen. Der Baseler Ausschuss hatte Anfang Februar 2015 auf IFRS 9 rekurriert und seine Auffassung zur Bilanzierung erwarteter Verluste zur Konsultation gestellt.
Zu diesem Konsultationspapier sind 44 Stellungnahmen vorrangig von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Bankenverbänden und international tätigen Kreditinstituten gegeben. Auch wenn der Baseler Ausschuss in seinem Konsultationspapier darauf hingewiesen hatte, dass der IASB die vorgeschlagenen Anforderungen als im Einklang mit IFRS 9 ansieht, so wird doch wesentliche Kritik an dem Abweichen von IFRS 9 und auch von IFRS 7, Finanzinstrumente: Angaben, geübt. Der Baseler Ausschuss sollte nicht die Rolle eines Standardsetzers für die Bilanzierung einnehmen. Der Wunsch nach Konsistenz mit IFRS 9 wird klar adressiert und zudem auf den Grundsatz der Wesentlichkeit wie auch auf den Grundsatz der Proportionalität hingewiesen. Mit Blick auf die angestrebten Veröffentlichungspflichten verweisen die Stellungnahmen zum einen darauf, dass das Konsultationspapier bestehende Vorgaben nicht duplizieren sollte, zum anderen erweiterte Veröffentlichungspflichten zur Ermittlung der Kreditrisikovorsorge externe Dritte verunsichern statt beruhigen. Sollte der Baseler Ausschuss auf seinen verschärften Anforderungen beharren, so sollten diese ausschließlich im bankaufsichtlichen Meldewesen ihren Niederschlag finden. Zu guter Letzt weisen insbesondere die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften darauf hin, dass ihre Jahresabschlussprüfung sich auf die Standards des IASB bezieht und der Baseler Ausschuss ihnen keine weitergehenden Verpflichtungen auferlegen sollte.
Der Baseler Ausschuss hatte die Veröffentlichung seines finalen Dokumentes für Ende 2015 avisiert. Es ist die spannende Frage, inwieweit er die breite Kritik aufgreift.

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