Digitaler Zahlungsverkehr und Open Banking

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die europäischen Schnittstellen (PSD2-Schnittstelle) reguliert. Aufgrund zusätzlicher Anforderungen ergibt sich eine „Moving-Target“-Implementierung für die PSD2-Kontozugangsschnittstelle. Die Open-Banking-Aktivitäten der Berlin Group sind eine Chance für Banken, ihr Geschäft weiterzuentwickeln. Durch die aktive und passive Nutzung der PSD2-Schnittstelle können tragende Geschäftsmodelle entwickelt werden. Aufgrund der fehlenden kritischen Masse bei Echtzeitzahlungen droht eine Regulierung. Für viele Institute, die heute keine Echtzeitzahlung unterstützen, wäre es eine Investition ohne Business Case. Die Echtzeitzahlung kann sich nur mittel- bis langfristig zum „New Normal“ entwickeln.

Die EU-Kommission hat die mangelnde Interoperabilität der Lösungen für Echtzeitüberweisungen in vielen Ländern angemahnt. Zudem sind die beiden großen Echtzeitsysteme TIPS (TARGET Instant Payments Settlement) und RT1 von EBA Clearing zueinander nicht ohne weiteres kompatibel. Teilnehmer müssen aktuell an beiden Systemen mitwirken oder Partnerbanken finden, um alle Teilnehmer zu erreichen. Jede Bank, die ein anderes Clearing-System am freien Markt nutzt, sollte kein zusätzliches Konto bei TIPS eröffnen müssen.

Die Standardisierung von Zahlungen mit einer Partei außerhalb der EU (One-Leg-out-Zahlungen) ergibt keinen positiven Business Case. Der Aufwand für die Implementierung wäre erheblich und steht im Gegensatz zum geringen Transaktionsvolumen. Zudem fallen One-Leg-out-Zahlungen nicht unter die SEPA-Verordnung, da sie Auslands- und keine SEPA-Zahlungen sind. Hingegen vereinfachen die Proxy-Lookup-Dienste – die Verknüpfung vom Zahlungskonto mit einem Alias wie bspw. E-Mail-Adresse oder Mobilfunknummer – die Kontodateneingabe durch Kunden bei Online- und mobilen Zahlungen. Die EU-Kommission hatte 2015 die Interchange für Transaktionen bei Debitkarten auf 0,2 % und bei Kreditkarten auf 0,3 % in der Verordnung über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge (MIF-VO) gedeckelt. Die wesentlichen Ziele wurden verfehlt: Beim Verbraucher sind die Reduzierungen nicht angekommen. Der Handel – insbesondere kleinere Anbieter – hat insgesamt kaum Vorteile erlangt. Die deutschen Kartenherausgeber mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Die globalen Kreditkartenunternehmen wurden gestärkt, ihre Entgelte waren nicht betroffen.

Unsere Positionen

Wir fordern, dass alle großen Marktteilnehmer Zugang zu ihren Systemen über Schnittstellen ermöglichen, analog zu den Überlegungen für ein standardisiertes Zugangssystem für Daten und Dienste (API Access Scheme). Nur so sind ein fairer Wettbewerb und die Investitionen in innovative Infrastrukturen möglich.

Wir unterstützen die Zusammenführung von kreditwirtschaftlichen Zahlungssystemen zu einem einheitlichen Marktangebot. Hierbei benötigen wir insbesondere die Unterstützung der Kartellbehörden. Eine paneuropä­ische Bezahllösung benötigt ein Geschäftsmodell für alle Beteiligten.

Wir fordern, dass die Anforderungen für ein API Access Scheme im Sinne eines europäischen Open-Banking-Ansatzes für alle Branchen als Open Data einheitlich definiert werden.

Wir fordern, dass jene Anbieter, die den wirtschaftlichen Vorteil aus dem Daten- und Dienstezugang erhalten, für die Leistung der Bereitstellung ein marktgerechtes, nicht reguliertes Entgelt berechnet bekommen. Dies ist die Voraussetzung für Investitionen und Innovationen in Open-Banking und Open Data.

Wir mahnen an, dass Marktinitiativen für API- und Open- Banking-Standards nicht durch gesetzliche Initiativen konterkariert werden dürfen, die keine Geschäftsmodelle ermöglichen. Dadurch könnten sich die Basiskosten erhöhen, was zu höheren Kundenentgelten führt und die Investitionen in moderne Infrastrukturen schmälert.

Wir fordern weniger regulatorische Rahmenbedingungen, damit Zahlungssysteme in Europa angemessene Entgelte für das Erbringen ihrer Dienstleistungen verlangen dürfen. Zahlungsdienstleister dürfen keine Nachteile im Wettbewerb mit internationalen Banken und Plattform-Akteuren erhalten.