Refinanzierungsprogramme der Bundesbank

Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat Europa erfasst. Viele Unternehmen gehen geschwächt in das Winterhalbjahr und müssen in großem Umfang auf bestehende Einlagen und Kreditlinien bei den Banken zurückgreifen. Erneut gilt es, möglichst viele Unternehmen mit einem ansonsten gesunden Geschäftsmodell durch diese zweite Phase der Krise zu begleiten.

Das am 27. Oktober 2020 veröffentlichte Bank Lending Survey (BLS) der Bundesbank, für das eine Umfrage bei deutschen Banken durchgeführt worden war, belegt, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen erneut zunahm. Dies trifft insbesondere auf die stark mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft zu, die nur begrenzt von den EZB-Ankaufsprogrammen für kapitalmarktrefinanzierte Unternehmen profitiert. Eine mangelnde, schleppende oder unnötig teure Kreditversorgung könnte diese gefährden und zu unnötigen Schäden in der deutschen Wirtschaft führen.

Wie bereits in der ersten Pandemiewelle drohen Banken nicht nur Teil der Lösung, sondern auch Betroffene der Krise zu sein, wenn

Unternehmen und institutionelle Investoren ihre befristeten Mittel in Sichteinlagen überrollen oder ganz abziehen.

Gleichzeitig werden die andauernden wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und das Ausbleiben des erhofften Aufschwungs die Bonitäten der Unternehmen unter Druck setzen. Zahlreiche Unternehmen könnten dann aus dem geltenden Sicherheitenrahmen der Bundesbank herausfallen. Dann könnten Banken bestehende und neue Kredite nicht bei der Bundesbank gegen Zentralbankliquidität hinterlegen und wären mangels Alternativen zu einer noch vorsichtigeren und preissensiblen Steuerung ihrer Kreditbücher gezwungen.

Das Ziel der Banken ist, ihre Unternehmenskunden mit intaktem Geschäftsmodell, deren Bonität unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie leidet, mit den notwendigen Krediten zu unterstützten. Die Unternehmen dürfen nicht durch zu wenig, zu langsame oder unnötig teure Kreditvergabe zusätzlich unter Druck geraten.

Unsere Positionen

Wir treten dafür ein, dass die Bundesbank die Kreditversorgung der Unternehmen über die deutschen Banken im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestmöglich unterstützt und in einem ersten Schritt die zeitlichen Befristungen von Refinanzierungsprogrammen aufhebt.

Wir treten weiter für eine weitergehende Implementierung des Correspondent Central Banking Model (CCBM) ein. Auch das würde die Refinanzierung der Institute erleichtern. Insbesondere die Umsetzung des Programms mit der Banque de France ist längst überfällig.

 

Wir treten dafür ein, dass im Hinblick auf die Einlieferbarkeit der Buchkredite an Unternehmen (auch im Rahmen des existierenden Krediteinreichungsverfahrens) sowohl Dauer als auch Vorhersehbarkeit der Annahmeentscheidungen durch die Bundesbank optimiert werden sowie interne Ratings der Institute bzw. der Verbünde verwendbar sein sollten. Insbesondere der den Industriestandort Deutschland tragende Mittelstand verfügt i. d. R. nicht über ein Rating der großen Ratingagenturen (z. B. Moody’s, Fitch, S&P).