Weiterentwicklung des bankinternen Risikomanagements

Das bankinterne Risikomanagement unterliegt einem ständigen Anpassungsprozess. Auf die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) wirken sich insbesondere die Vorgaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) aus. Für das zweite Halbjahr 2020 ist bereits die sechste MaRisk-Novelle geplant. Gegenstand dieser Novelle werden unter anderem die EBA-Leitlinien über das Management notleidender und gestundeter Risikopositionen sowie zu Auslagerungen sein. Darüber hinaus könnten die im Entwurf vorliegenden EBA-Leitlinien zur Kreditgewährung und -überwachung in die nächste Fassung der MaRisk einfließen. Dazu müssten allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Zunächst müssten diese Leitlinien in ihrer endgültigen Fassung spätestens zum Ende des ersten Quartals 2020 vorliegen. Die rechtzeitige Fertigstellung dieses Dokuments ist keinesfalls sichergestellt, zumal die EBA eine Veröffentlichung bis zum Jahresende 2019 geplant hatte. Die Verzögerung ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Stellungnahmen aus verschiedenen europäischen Ländern sehr umfassend ausgefallen sind. Sofern die EBA die neuen Leitlinien zeitnah veröffentlicht, hängt deren Berücksichtigung in den MaRisk zudem davon ab, ob sie hinreichend prinzipienorientiert ausgestaltet sind. In dieser Hinsicht ist mit Blick auf die zuletzt von der EBA getroffenen Aussagen Skepsis geboten.

Die deutsche Aufsicht hat mehrfach darauf verwiesen, dass die Institute die EBA-Leitlinien trotz formaler Umsetzung zusätzlich als Orientierungshilfe heranziehen sollen. In der Regel erklärt sich die deutsche Aufsicht im Comply-or-Explain-Verfahren, bei dem ein Verzicht auf die Anwendung durch die zuständige Behörde begründet werden muss, zur Übernahme der EBA-Leitlinien in ihre Verwaltungspraxis bereit. Sofern die Umsetzung von Leitlinien über die MaRisk zum Beispiel daran scheitert, dass sie zu kleinteilig und nicht prinzipienorientiert sind, würden sie auch für die weniger bedeutenden Institute unmittelbar gelten.

Im bankinternen Risikomanagement sind darüber hinaus die ergänzenden Dokumente zu beachten, mit denen bestimmte Sachverhalte konkretisiert werden. Das betrifft zum Beispiel den Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und das im Dezember 2019 veröffentlichte Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken.

Unsere Positionen

Wir halten eine prinzipienorientierte Aufsichtspraxis vor dem Hintergrund der heterogenen Bankenlandschaft in Deutschland für unabdingbar. Die deutsche Aufsicht sollte sich bei der EBA mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der in Deutschland bewährte Proportionalitätsgrundsatz nicht an zu engen europäischen Vorgaben scheitert.

Wir gehen davon aus, dass viele der weniger bedeutenden Institute überfordert wären, wenn die kleinteiligen EBA-Leitlinien für sie unmittelbar gelten. Deshalb erwarten wir, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Zusammenspiel mit der Deutschen Bundesbank daran festhält, die europäischen Vorgaben angemessen in ihre Verwaltungspraxis zu übersetzen.

Wir würden es begrüßen, wenn die Aufsicht bei der nächsten MaRisk-Novelle alle absehbaren relevanten Vorgaben aufgreift. Eine unvollständige Anpassung unter Zeitdruck, bei der die nächste Überarbeitung schon absehbar ist, halten wir mit Blick auf die damit verbundenen Umsetzungsaktivitäten in den Instituten nicht für sinnvoll.

Wir weisen darauf hin, dass die Institute auch in Zeiten extrem niedriger Zinsen und negativer konjunktureller Aussichten rentabel wirtschaften müssen. Dafür ist es insbesondere erforderlich, die eigene Wertschöpfungskette optimieren zu können, ohne von zu weitgehenden regulatorischen Vorgaben ausgebremst zu werden. Die permanent verschärften regulatorischen Einschränkungen von Auslagerungslösungen stehen diesem Unterfangen unserer Einschätzung nach zunehmend im Weg.

Wir setzen uns dafür ein, dass beaufsichtigte Unternehmen, die als Dienstleister für die Institute in Erscheinung treten, privilegiert behandelt werden. Dieser Ansatz könnte in ähnlicher Weise auf zertifizierte Dienstleister ausgeweitet werden, um das Auslagerungsmanagement zu vereinfachen.