Open Finance: PSD3/PSR und FIDA im Fokus

Die EU-Kommission hat Ende Juni 2023 legislative Vorschläge zur Erweiterung von Open Finance unterbreitet. Danach soll die Payment Service Directive 2 (PSD2) aktualisiert und ein neuer rechtlicher Rahmen für alle Bereiche der Finanzbranche etabliert werden. Die Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) aus dem Jahr 2015 soll erweitert und im Wesentlichen in eine Verordnung (Payment Services Regulation – PSR) umgewandelt werden, um einen EU-weit einheitlichen Standard zu etablieren. Belange, die nicht in eine Regulierung aufgenommen werden können, weil nationales Recht anzuwenden ist, sollen in einer Richtlinie (Payment Service Directive 3 – PSD3) erfasst werden.

Die Entwürfe erweitern den Umfang der PSD2, bspw. müssen Banken neue Dienste Dritten unentgeltlich anbieten. Zudem ergeben sich zahlreiche Anpassungen, die in der Summe den Umfang erheblich erweitern. Die Kreditwirtschaft muss dafür kräftig investieren. Eine Amortisation ist für die Anbieter der Dienste, also die Banken, weiterhin nicht möglich. Dies stellt marktwirtschaftliche Prinzipien erneut auf den Kopf. Ein Marktversagen liegt nicht vor, da verschiedene Initiativen laufen, die eine marktwirtschaftliche Öffnung der Banken vorantreiben.

Die EU-Kommission möchte mit dem Framework for Financial Data Access (FIDA) den Datenaustausch jenseits von PSD3/PSR ausweiten. FIDA und PSR wurden am selben Tag von der EU-Kommission auf derselben Website veröffentlicht. Der neue legislative Vorschlag der EU-Kommission zielt in Richtung Open Finance und schließt neben Banken zusätzliche Akteure wie z. B. Versicherungen, Rating-Agenturen und Fondgesellschaften ein. Diese müssen Kundendaten nun auch Dritten zur Verfügung stellen, analog zur PSD2. Damit werden die Datenzugriffe auf zusätzliche Datenquellen wie z. B. Sparkonten, Depots, Hypotheken und Versicherungen möglich.

Es ergibt sich eine Asymmetrie zwischen FIDA und der PSR. Nach der PSR müssen Banken den Abruf von Umsätzen bei Girokonten unentgeltlich anbieten, nach FIDA dürfen für den Abruf bei Spar- oder Kreditkonten Entgelte erhoben werden. Eine zweite Asymmetrie tut sich innerhalb des FIDA-Entwurfs auf, wenn regulierte Finanzinstitute dazu verpflichtet werden, sich gegenüber Financial Services Information Providers (FISP) zu öffnen. Dabei bleibt offen, für welche Zwecke FISPs die Daten nutzen und ob sie daraus Vorteile ziehen, die für Finanzinstitute nicht zugänglich sind.

Unsere Positionen

Wir plädieren dafür, dass die Anbieter von Daten marktgerechte Entgelte für die bereitgestellten Dienste verlangen dürfen. Nur so kann der Verzerrung des Marktes durch die Zahlungsdiensterichtlinie entgegengewirkt werden.

Wir fordern, dass der Abruf von Umsätzen von Zahlungskonten aus der PSR in die FIDA übernommen wird. Damit kann die Marktverzerrung durch kostenlosen Datenabruf abgemildert werden.

Wir warnen davor, dass die starke Kundenauthentifizierung aufgeweicht wird. Dies muss auf Level 2 geregelt werden, um schnell auf Änderungen im Markt reagieren zu können.

Wir bewerten das Delegieren der starken Kundenauthentifizierung für den Abruf von Umsätzen durch Dritte als gefährlich.

Wir lehnen eine gesetzliche Verpflichtung für den Abgleich der IBAN mit dem Namen ab. Er kann nur wenige Betrugsfälle verhindern. Zudem ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen unangemessen.

Wir fordern einen reduzierten Anwendungsbereich und eine verlängerte Einführungszeit von FIDA, da sich die Implementierung weder im Umfang noch zeitlich erfolgreich umsetzen lässt.

Wir plädieren für eine eindeutige Definition von Datenhalter und Datennutzer sowie deren Zuordnung zu den entsprechenden Datenkategorien. Nur so können die Aktualität und Qualität der Daten sichergestellt und redundante Zugangsansprüche vermieden werden.

Wir warnen davor, keine klaren Grenzen zu setzen, um die Geschäftsgeheimnisse der Datenhalter zu schützen.

Wir fordern, dass Schemes für FIDA durch die Anbieter der Daten bereitgestellt werden und so weit wie möglich frei von regulatorischen Vorgaben bleiben.

Wir fordern, die Rolle, Verantwortung und Funktion der FISPs in FIDA klarer zu definieren, um Ungleichbehandlungen gegenüber regulierten Finanzinstituten zu vermeiden.