VÖB-Kapitalmarktprognose: Anhaltende Energiekrise und ausbleibende Reformen belasten

Frankfurt a. M., 17. Juni 2026

  • Deutsches Wachstum für 2027 zwischen 0,8 und 1,2 Prozent
  • Investitionsschwäche, Exportmärkte und demographischer Wandel bereiten Sorgen
  • Unsicherheit bei weiterem Kurs der EZB

Die Energiekrise im Zuge des Iran-Konflikts belastet weiterhin die Konjunktur- und Inflationsaussichten. Zudem mangelt es in Deutschland an positiven Impulsen durch ausbleibende Reformen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Vor diesem Hintergrund haben die Kapitalmarktexperten Manfred Bucher (BayernLB), Sonja Marten (DZ BANK), Ulf Krauss (Helaba) und Dr. Jens-Oliver Niklasch (LBBW) am Mittwoch bei einem Pressegespräch des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB in Frankfurt ihre aktuellen Prognosen vorgestellt. 

Unter den Analysten besteht weitgehend Einigkeit über das schwierige geopolitische Umfeld und die enttäuschende Reformpolitik. Die Wachstumsprognosen für Deutschland bewegen sich für das Jahr 2026 bei 0,5 bis 0,7 Prozent, für das Jahr 2027 zwischen 0,8 und 1,2 Prozent. Sorgen bereiten den Experten zudem die anhaltende Investitionsschwäche der Unternehmen bei gleichzeitiger Ausweitung des Staatskonsums, das Wegbrechen des chinesischen Marktes für die deutsche Exportindustrie sowie der demographische Wandel, der das Produktionspotenzial belastet.

Bei den Inflationsraten wird für die Eurozone ein Anstieg auf bis zu 3,4 Prozent auf Sechs-Monats-Sicht erwartet, für Deutschland sogar auf bis zu 3,8 Prozent. Wie die EZB hierauf reagiert, wird unterschiedlich gesehen. Während die LBBW mit Blick auf die Gefahr von Zweitrundeneffekten zwei weitere Zinsschritte um je 25 Basispunkte erwartet, geht die BayernLB angesichts der fragilen ökonomischen Lage und ersten Anzeichen von Problemen am Arbeitsmarkt von keinen weiteren Erhöhungen mehr aus.

Die Prognosen für die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bewegen sich für die kommenden zwölf Monate zwischen 2,90 und 3,35 Prozent. In einem Risikoszenario, etwa mit einer erneuten Eskalation im Nahen Osten, ist allerdings ein nachhaltig höheres Zinsniveau über die gesamte Zinskurve zu erwarten als im Basisszenario.

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