Generation Corona

Auf einmal Homeoffice. Vor über einem Jahr stellte der Lockdown die Ausbildung bei der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB) auf den Kopf. Eine Ausbildungsreferentin und drei Nachwuchskräfte erzählen uns, wie sie die Einschränkungen erlebt und was sie aus ihren Erfahrungen gelernt haben.

„Vom Nachwuchs können wir noch viel lernen“

Frau Tiefuhr, wie sehr mussten Sie mit Beginn des Lockdowns beim Ausbildungsprogramm improvisieren?

Das war eine enorme Umstellung, denn unser Job lebt ja vom Kontakt zu unseren Nachwuchskräften. Uns ist es enorm wichtig, immer dicht an der Zielgruppe dran zu sein und zu erfahren, wie es ihr geht und wie sie sich entwickelt. Für unsere vielen Betreuungsgespräche, Teamtreffen, Workshops und Bewerbungsgespräche mussten wir schnell digitale Lösungen finden. Die größte Herausforderung für die Bank war es, in sehr kurzer Zeit für die knapp 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die technische Ausstattung sowie die benötigte Serverkapazität zur Verfügung zu stellen, um zum Beispiel MS Teams zum Laufen zu bringen. Glücklicherweise konnten wir schnell die räumlichen Einschränkungen durch das Homeoffice mit Video-Calls überwinden. Uns war es immer wichtig, dass die persönliche Ansprache zu den jungen Menschen nicht verloren geht – auch wenn man sich eben nur über eine Kamera sehen kann. Dieser Wandel hat auch in den Fachbereichen gut funktioniert, sodass die Nachwuchskräfte auch vom oder im Homeoffice gut betreut werden. 

Wie schlägt sich der Nachwuchs mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise?

Das sind ja alles Digital Natives – die haben von uns allen die wenigsten Probleme, sich auf die digitale Welt umzustellen. Deswegen setzen wir sie intern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ein, um den weniger digitalaffinen Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, wie sie 
sich mit den neuen Kommunikationstools das Leben einfacher machen können. Vom Nachwuchs können wir in Bezug auf Digitalisierung noch viel lernen. Das ist auch unser Ausbildungskonzept, dass wir einerseits in der Verantwortung stehen, ihnen ganz viel beizubringen, aber auch andererseits ihre Stärken für unser Unternehmen einsetzen und ihnen den Freiraum geben, sich zu zeigen. Eine Win-win-Situation.

Was nehmen Sie als Personalerin aus der Krise mit?

Ich merke, dass der Change-Prozess in der NORD/LB an Fahrt gewonnen und die Digitalisierung im Haus einen riesigen Sprung gemacht hat.

Eigentlich sollten wir alle in einem Zeitraum von drei Jahren mit Diensthandys und Laptops ausgestattet sein – jetzt ist das innerhalb eines halben Jahres passiert. Das Schöne ist: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aufgrund der neuen Normalität offener gegenüber neuen Technologien geworden und haben mittlerweile Spaß daran, Meetings über Video-Calls vom Homeoffice aus mit eingeschalteter Kamera durchzuführen. Vor Corona hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es in einem so großen Unternehmen in so kurzer Zeit möglich ist, solch wesentliche Veränderungen der Arbeitsweise und Zusammenarbeit umzusetzen.

„Zum dualen Studium in der NORD/LB hatte ich mich im Sommer 2019 beworben, als ich mich gerade in meinem Auslandsjahr in Neuseeland befand. Mich hat total beeindruckt, dass ich mein Vorstellungsgespräch via Skype führen konnte – die NORD/LB hatte mir das als einziges Unternehmen angeboten. Das hat mir von Anfang an ein gutes Gefühl gegeben, weil ich wusste, dass meine Ausbildung in sicheren Händen ist. Mein duales Studium begann zum 1. August 2020, also inmitten der Pandemie. Unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln konnten in der ersten Woche die Start-up-Tage in Präsenz stattfinden, was super war, um sich gegenseitig kennenzulernen und gut im Unternehmen anzukommen. Anschließend konnte ich vor meinem Start ins erste Semester schon ein paar Abteilungen durchlaufen und mir so viele Eindrücke verschaffen. Seit den verschärften Einschränkungen im Dezember bin ich nun aber vermehrt im Homeoffice tätig. Auch mein Studium an der Leibniz Fachhochschule in Hannover läuft aufgrund der Pandemie ausschließlich über Online-Kurse. Insgesamt hatte ich einen gelungenen Start als Erstsemestlerin und ich fühle mich gut aufgehoben. Die Onlinevorlesungen werden sehr interaktiv gestaltet, sodass wir immer wieder ermuntert werden, Fragen zu stellen, in Gruppen zu arbeiten und anhand kleinerer Projekte zu lernen. Die DozentInnen und auch die AusbilderInnen in der Bank achten darauf, dass wir genug Auszeiten bekommen. Wir machen dann zusammen eine entspannte Kaffeepause, holen uns was zu essen und quatschen über alltägliche Dinge, damit der Laptop nicht nur für Arbeit und Büffeln genutzt wird. Das wirkt sich sehr positiv auf mich und die anderen Studierenden aus – so habe ich den Kopf frei, um komplexe finanzielle und wirtschaftliche Zusammenhänge im regionalen und weltweiten Bankgeschäft zu verstehen. Als duale Studentin werte ich nicht nur Statistiken aus und beschäftige mich mit theoretischem Wissen, sondern bekomme durch meine Ausbildung in der Bank die Möglichkeit, meine Kenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Besonders das direkte Kundengeschäft reizt mich. Wie genau wird ein Kundengeschäft abgeschlossen? Was sind die nächsten Schritte? All diese Fragen werden mir beantwortet – nur eben auf digitalem Wege, solange die Corona-Pandemie uns fest im Griff hat.“

„Alles hatte sich schnell eingespielt“

„Der Wechsel ins Homeoffice ist mir am Anfang etwas schwergefallen. Ich hatte circa ein Jahr vor dem Lockdown meine Ausbildung begonnen und saß nun zuhause vor dem Monitor. Mir fehlten die morgendlichen Meetings am Whiteboard, der persönliche Austausch mit meinen LehrerInnen, AusbilderInnen und den anderen Auszubildenden. Da kam viel zusammen. Jeder
von uns war ein bisschen überfordert von der Situation. Aber irgendwie hatte sich alles schnell eingespielt. Meine BerufsschullehrerInnen waren ganz pragmatisch und sagten: ,Wir machen online weiter, jeder von euch nimmt daran teil und kann sich wie im Klassenzimmer zu Wort melden – das kriegen wir schon hin.‘ Das machte mir Mut und ich fand den Übergang vom Präsenz- zum digitalen Unterricht spannend. Das gilt auch für meinen Ausbildungsplatz bei der NORD/LB. In der Bank haben sich alle KollegInnen schnell auf die neue Normalität eingestellt. Auch dort habe ich digitale Tools genutzt und es genossen, wenn ich als Auszubildende mal im Video-Call den Computer einer Betreuerin bzw. eines Betreuers übernehmen und steuern durfte, um etwas zu erklären. Ich finde, dass die Ausbildung trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise auf einem sehr hohen Niveau weitergeführt wird. Ich erfahre sehr viel über das Bankenwesen, wie zum Beispiel über das Wertpapier-Geschäft, was ich persönlich ganz cool finde. Im November habe ich meine Abschlussprüfung zur Bankkauffrau und bin zuversichtlich, dass mein Karrierewunsch in Erfüllung geht.“ 

„Ein Luxus, zuhause lernen und arbeiten zu dürfen“

„Von vielen Auszubildenden in meinem Freundeskreis weiß ich, dass sie an ihren Ausbildungsorten Präsenzpflicht haben, auch wenn die gesamte restliche Abteilung im Homeoffice sitzt. Das finde ich übertrieben. Daher empfinde ich es umsomehr als Luxus, zuhause lernen und arbeiten zu dürfen. Bei der NORD/LB vertraut man uns einfach, was ich super finde. Und es klappt ja alles. Wir wurden während des Lockdowns mit Laptops und Smartphones ausgestattet, damit wir nicht für die Arbeit an die privaten Geräte gebunden sind. Auch meine Berufsschule, die auf Technik und Veranstaltungen fokussiert ist, zeigt eine klare Digitalisierungsstrategie, damit wir die beste Ausbildung in der Krise erhalten. In der durch die Pandemie beschleunigten Digitalisierung sehe ich eine Chance, weil ich durch meine Ausbildung zum Digitalisierungsmanager noch mehr über die Möglichkeiten von Hard- und Software erfahre. Es zeigt mir, dass Informatik immer wichtiger wird für das Bankgeschäft. Ich hatte schon immer Berührungspunkte mit dem Bereich Technik: Ich programmiere gerne und bastle an technischen Geräten. Außerdem bin ich im ,Digital-Buddy-Projekt‘ der NORD/LB aktiv. Dabei unterstütze ich andere Auszubildende und ältere KollegInnen bei der Nutzung unterschiedlicher Software und gebe Tipps bei der Anwendung von digitalen Tools. Dabei plaudern wir auch entspannt über andere Dinge, etwa wie der Alltag so läuft. So lernen wir uns besser kennen. Das lockert den Tag auf und fördert trotz räumlicher Distanz das Wir-Gefühl in unserer Bank.“