Nachhaltig wirtschaften

Das Thema Nachhaltigkeit hat seit Jahren einen zentralen Stellenwert im gesellschaftlichen Diskurs. Und seine Bedeutung nimmt zu: Durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen wurde das Bewusstsein für das Thema noch einmal deutlich geschärft. Und das ist gut so, denn die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft ist eine Mammutaufgabe.

Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit ein lohnender Markt der Zukunft. Für unsere Wirtschaft und unsere Unternehmen liegt in der nachhaltigen Transformation eine große Chance.

Nachhaltigkeit wird für sie zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor und einem expansiven Wachstumsfeld. Doch klar ist auch: Nur wenn Unternehmen nachhaltig wirtschaften, werden sie auch langfristig erfolgreich sein.

Dabei spielt auch die Finanzindustrie eine zentrale Rolle. Ihre Fähigkeit, Finanzströme in nachhaltigen Projekten und Protagonisten zuzuführen, ist ein entscheidender Faktor. Einige ausgewählte Projekte, die von öffentlichen Banken unterstützt und vorangetrieben werden, stellen wir Ihnen auf den folgenden Seiten vor – vom grünen Pfandbrief bis zum schlauen Brandwächter.

Grün, grüner, Green Bond

In der NORD/LB, der Norddeutschen Landesbank, wurde nach der vollständigen Integration der Deutschen Hypo der erste grüne Pfandbrief unter eigenem Label erfolgreich platziert. Thomas Breit, Leiter Investor Relations, über das Refinanzierungsprogramm für nachhaltige Projekte.

Für uns als öffentliche Bank ist es ganz wichtig, dass wir grüne Projekte fördern, damit InvestorInnen gemäß ihrer nachhaltigen Ausrichtung in energieeffiziente gewerb-liche Immobilienprojekte investieren können. Mit unserem neuen Green Pfandbrief haben wir nun ein Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren platziert. Es ist ein Pfandbrief ausschließlich zur Finanzierung energieeffizienter Gebäude. Die Rating-Agentur Moody's hat dafür eine Top-Bewertung von Aa1 vergeben.

Um die zu finanzierenden Gebäude als grün auszuweisen, müssen strenge Kriterien angewendet werden. Wir achten beim Green-Bond-Programm darauf, dass energetisch neu gebaut oder dementsprechend saniert wurde. Außerdem sind dabei weitere Punkte für eine mögliche

Finanzierung wichtig: Können diese Gebäude einen Teil ihres Energieverbrauchs selber produzieren? Beispielsweise durch Solarpanels auf dem Dach? Wo befindet sich das Objekt? Ist eine gute Erreichbarkeit für öffentliche Verkehrsmittel gegeben? Oder sind es mehrere Kilometer bis zur nächsten Busstation? Müssten im schlimmsten Fall die Mieter das Auto nehmen, um ans Ziel zu gelangen? Wir unterscheiden dabei zwischen den sogenannten „Green Field“- und „Brown Field“-Gebäuden. „Green“ bedeutet, dass das Gelände noch nicht erschlossen ist, also unbebauter Grund ist. „Brown“ steht für ein bereits errichtetes Gebäude, das renoviert wird oder für das ein Abriss und Neubau geplant ist.

Unabhängig von der Finanzierung grüner Gebäude achten wir auch auf andere nachhaltige Kriterien in unseren Richtlinien: So sind zum Beispiel Finanzierungen in kontroversen Geschäftsfeldern ein Tabu – wie etwa der Rüstungsindustrie. Was mich besonders freut: Unser Green Bond konnte bei Nachhaltigkeitsinvestoren gut platziert werden. Damit haben wir das bereits erfolgreiche „Grüne-Pfandbrief-Programm“ der Deutschen Hypothekenbank, die bis zum vergangenen Sommer für uns als Tochterunternehmen das gewerbliche Immobiliengeschäft geführt hatte und jetzt vollständig in die NORD/LB integriert wurde, konsequent weitergeführt.

Ein klares Bekenntnis

In Baden-Württemberg sorgt ein Klimabündnis für mehr Engagement seitens der Unternehmen. Edith Weymayr, Vorstandsvorsitzende der L-Bank, erklärt, warum es so wichtig ist, die Wirtschaft mit konkreten Fördermaßnahmen zum Handeln zu bewegen.

Die L-Bank gehört zu den Erstunterzeichnern des Klimabündnisses Baden-Württemberg. Was genau ist das?

„Als eine der europaweit führenden Wirtschaftsregionen will Baden-Württemberg beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Dabei kommen der Wirtschaft und den Unternehmen eine besondere Rolle und Verantwortung zu. Sie bekennen sich dazu, klimaneutral zu wirtschaften, und werden Teil des Klimabündnisses Baden-Württemberg. Damit tragen sie zum Erfolg der Klimastrategie des Landes bei.“

Warum ist es so wichtig, dieses Bündnis zu unterstützen?

„Weil wir als landeseigenes Unternehmen eine Vorbildfunktion haben: Wir wollen Flagge zeigen und andere Unternehmen dazu motivieren, im Klimaschutz aktiv zu werden. Zwar werden Nachhaltigkeitsthemen, insbesondere der Klimaschutz, mittel- und langfristig zu

entscheidenden Wettbewerbsfaktoren, kurzfristig sind die notwendigen Aktivitäten und Umstellungen jedoch kostentreibend. Wenn eine Regierung gesellschaftliche Erwartungen an die Privatwirtschaft formuliert, sollten öffentliche Unternehmen diese vorleben. Nur so entstehen gesellschaftliche Akzeptanz und ein Bewusstsein für das Thema.“

Wie weit reicht Ihr Engagement?

„Sehr weit: In unserer Bündnisvereinbarung haben wir den Weg zur Klimaneutralität der L-Bank konkretisiert und darüber hinaus den Ausgleich nicht vermeidbarer Emissionen mit der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg in die Wege geleitet. Und natürlich unterstützen wir unsere Wirtschaft bei der Transformation mit unseren Förderprodukten. Aber wir versuchen auch Zeichen zu setzen: So sind wir dabei, gemeinsam mit dem Umweltministerium ein Klimaplakat zu entwickeln, in dem wir die Bedeutung des Klimawandels für Unternehmen verdeutlichen.“

Nicht nur die Unternehmen, auch die L-Bank selbst achtet auf Nachhaltigkeit …

„… ja, denn damit fördern wir nicht nur intern die Klimaneutralität, sondern sparen auch viel ein. Unter anderem haben wir auf Ökostrom umgestellt. Nach den großen Sprüngen gilt es jetzt viele weitere kleine Schritte zu machen: zum Beispiel, indem wir durch die Umstellung auf die digitale Akte Emissionen vermeiden oder reduzieren. Darüber hinaus wollen wir die Transparenz über unseren CO2-Fußabdruck kontinuierlich verbessern und auch unsere finanzierten Emissionen nach und nach erfassen.“

Wie reagiert die Politik auf Ihr Engagement?

„Die Resonanz aus der Politik ist jetzt schon sehr positiv. Aktuell dominieren zwar Corona-Meldungen alles andere, aber wir erwarten, dass mit Abflauen der Pandemie die Klimathematik wieder die notwendige Aufmerksamkeit bekommt. Für unseren Eigentümer – das Land Baden-Württemberg – gehört der Klimaschutz zur generationenübergreifenden Aufgabe Nummer eins.“

Durch die Pandemie stehen Unternehmen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wird der Förderumfang mit der vierten Welle nochmals erweitert?

„Wir machen uns zum Umfang und der Ausrichtung unserer Förderung natürlich Gedanken. Aktuell überlegen wir gemeinsam mit den zuständigen Landesministerien, wie wir ESG-Kriterien in bestehende Förderprogramme integrieren können, aber auch wie wir mit neuen Programmen gezielte Impulse zu mehr Klimaschutz setzen können. Die Programme „Klimaprämie Wohnen“ in der Wohnraumförderung zum Beispiel oder „Klimaprämie Mittelstand“ in der Mittelstandsförderung laufen bereits sehr gut. Hier werden wir in diesem Jahr unsere Palette noch weiter verfeinern können.“

Smarte Wächter

Waldbrände erkennen, bevor sie entstehen – das Start-up „Dryad Networks“ hat dafür die Technologie zur Marktreife gebracht. Ein Finanzierungs- und Förderprojekt der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und ihrer VentureCapital-Tochtergesellschaft Brandenburg Kapital GmbH.

Der Kampf gegen verheerende Waldbrände ist für die Einsatzkräfte auch ein Kampf gegen die Zeit – je später der Notruf eingeht, umso größer ist das Ausmaß der Zerstörung. Jede Sekunde zählt. Um die wertvollen Baumbestände noch besser vor den Flammen zu schützen, hat das junge Unternehmen „Dryad Networks“ mit Sitz in Eberswalde „Silvanet“ entwickelt.

Dabei handelt es sich um eine drahtlose Lösung, die den Gedanken des Internet of Things aufgreift. So wird die smarte Vernetzung zwischen Geräten, künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet bezeichnet, um Daten auszutauschen. „Silvanet“ kann mithilfe von solarbetriebenen Gassensoren in entlegenen Gebieten Veränderungen in der Luft erkennen und in weniger als 60 Minuten Alarm auslösen. Das Brandschutzsystem ist viel schneller als kamera- und satellitengestützte Frühwarnsysteme. Die Feuerwehr gewinnt wertvolle Zeit, um das Feuer zu löschen, bevor es außer Kontrolle gerät. Das ist Umweltschutz dank ausgefeilter Technik, denn Waldbrände sind auch mit rund 20 Prozent der globalen CO2- Emissionen ein wesentlicher Treiber des Klimawandels. Die Brandenburg Kapital GmbH gehört zum InvestorInnenkreis und ist Gesellschafter des Start-ups. „Die Einstellungen und die Wahrnehmung in der Gesellschaft zum Thema Wald haben sich in den letzten Jahren geändert. Der Wald wird heute als ein Asset verstanden und muss als bedeutendes Investitionsgut genau wie teure Maschinen und Gebäude geschützt und erhalten werden. Daraus ergibt sich auch die Grundlage des Geschäftsmodells von Dryad“, sagt Geschäftsführer Thomas Krause. „Zerstörte Wälder wiederaufzubauen dauert Jahrzehnte und mit dieser Innovation können wir auch einen Beitrag zum Klimawandel leisten.“

Klare Antragstellung bei der Förderung

Neben dem Investment der Brandenburg Kapital hat Dryad durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg GmbH Fördermittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro erhalten. Die klare Botschaft zum Waldschutz und die Ausführung der Funktionsweise von „Silvanet“ waren im Förderungsprozess wichtige Faktoren. „Wir bekommen jedes Jahr viele Vorhaben aus verschiedenen Bereichen auf den Tisch, aber bei Dryad war sofort klar: Das ist ein Projekt von ganz besonders innovativer und zugleich lebenswichtiger Bedeutung“, so Nabegh el Shorafa, Referatsleiter Innovationsförderung der ILB. Der richtige Riecher wurde belohnt. „Dryad Networks“ ist mit „Silvanet“ im vergangenen Herbst mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet worden. In diesem Jahr soll der smarte Waldschutz an den deutschen Markt gehen.

Volle Power – und zwar umweltfreundlich!

Elektrisch, leise, nachhaltig – das Unternehmen Quantron AG wandelt Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in E-Fahrzeuge um. Für die LfA Förderbank Bayern ist klar: Das muss gefördert werden.

Stellen Sie sich das vor: Der gleiche LKW, der sich gestern noch mit lautem Dieselantrieb und stinkenden Abgasen vor Ihnen im Straßenverkehr bewegte, taucht nun als grünes Nutzfahrzeug auf. Voll elektrifiziert, geruchlos und ohne CO2-Ausstoß, nur das Summen des großen Elektromotors ist zu hören. Statt des Tankdeckels zeigt nun eine Steckdose an der Seite, woher der grüne Riese seine Kraft bezieht.

Ganz so schnell klappt es nicht mit der Transformation zum umweltfreundlichen Stromer, es dauert bis zu drei Monate. Möglich macht es die Quantron AG mit Sitz im bayerischen Augsburg. „Repowering“ nennt sich der Umbau, wenn aus herkömmlich angetriebenen Bestandsfahrzeugen ein E-Gefährt entsteht. Im innerstädtischen Bereich sollen die umgerüsteten Fahrzeuge eine Reichweite von bis zu 280 Kilometern für den batteriebetriebenen Antrieb haben. Für längere Strecken, die bis zu 800 Kilometern reichen, setzt Quantron auf Wasserstoff.

2019 wurde das Unternehmen als Hightech-Spin-off des Traditionsbetriebes Haller gegründet. Ob Müllfahrzeug, VerteilerLKW, Stadtbus oder Transporter – die Elektromobilität wurde neu gedacht. „Und das ist ein besonderer Aspekt hinsichtlich der Nachhaltigkeit, dass man nicht bestehende Fahrzeuge, die eigentlich noch gut in Schuss sind, verschrottet, sondern ressourcenschonend wiederverwertet“, sagt Peter Leitenmayer, Experte für Technologie- und Innovationsfinanzierungen der LfA. Auch deswegen hat sich die LfA entschieden, das Konzept der Quantron AG mit dem Innovationskredit 4.0 zu fördern. Das sind flexible Förderkredite, die die LfA kleinen, mittleren sowie neu gegründeten Unternehmen und Freiberufler zur Verfügung stellt. Sie dienen speziell der Förderung von innovativen Vorhaben und Unternehmen. „Schließlich ist es eine der zentralen Aufgaben und Kernkompetenzen der Förderbanken hier in Deutschland, nachhaltige Technologien zu fördern und dabei insbesondere auch dem Umwelt- und Klimaschutzgedanken Rechnung zu tragen“, so Leitenmayer. Ein weiterer überzeugender Aspekt ist der Einsatz von kobaltund nickelfreien Batterien – durch die Reduzierung dieser umstrittenen Rohstoffe in der Produktion wird der umweltschonende Gedanke zu Ende gedacht.

Nous sommes verts!

Erneuerbare Energien in Frankreich – finanziert durch die SaarLB, die Landesbank Saar. Ihr neuer Green Bond ermöglicht die Erzeugung grünen Stroms bei unseren Nachbarn.

Der Claim der Bank verrät das Alleinstellungsmerkmal unter den öffentlichen Banken: „Die deutschfranzösische Regionalbank“ – über die Landesgrenzen des Saarlands hinweg bekannt als SaarLB – hat sich seit ihrer Gründung vor 80 Jahren zu einem wichtigen Partner in der Wirtschaft entwickelt. Der Fokus der Bank liegt von jeher schon auf dem Mittelstandsgeschäft mit den Schwerpunkten auf dem Firmenkunden- und Immobiliengeschäft, der Projektfinanzierung im Bereich der erneuerbaren Energien, der Betreuung von Institutionellen, und der öffentlichen Hand/Kommunen.

Mit ihrer Expertise für das nachhaltige Kreditgeschäft ist die SaarLB vor einem Jahr mit einem Green-Bond-Programm an den Start gegangen, um mit den Erlösen aus der grünen Anleihe den Klimaschutz weiter voranzutreiben - besonders in Frankreich. Das Investitionsvolumen aus dem Green Bond betrug 150 Millionen Euro. Durch die Mittel werden ausschließlich Projekte im Bereich erneuerbarer Energien, vorwiegend

Wind- und Photovoltaik-Projekte, errichtet, die ihren Standort in Deutschland oder eben Frankreich haben. „Wir sehen natürlich, dass es eine immer stärker werdende Nachfrage von Kunden gibt, sowie auch bei den Kapitalmärkten“, sagt Holger Schmitt, Bereichsleiter Strategie und Stab. Die Energiewende als Antriebsmotor – so stehen die Projekte auch im Einklang mit dem EU-Aktionsplan, um nachhaltiges Wachstum zu finanzieren. Zu den förderfähigen Projekten gehört zum Beispiel ein Windpark, der mit sechs Windenergieanlagen eine Gesamtleistung von 14,1 Megawatt erzeugt.

Klimaschutz gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie

Durch den Green Bond sind vor zwei Jahren in Frankreich insgesamt drei Windkraftanlagen und ein Photovoltaik-Projekt errichtet worden, deren Finanzierungsvolumen bei 40 Millionen Euro liegt. Die SaarLB hat nicht nur die Grenzregion im Blick. „Während wir in Deutschland eher regional aufgestellt sind, sind wir in ganz Frankreich unterwegs“, so Holger Schmitt. „Klimaschutz ist ein wesentliches Handlungsfeld im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Das Green-Bond-Programm ist somit ein wichtiger Bestandteil zur Erfüllung unserer Ziele.“ Nach dem erfolgreichen Start plant die SaarLB nun weitere Green und auch Social Bonds, sowie grüne Pfandbriefe mit neuen Schwerpunkten.