Sustainable Finance

Die COVID-19-Pandemie wertet die EU-Kommission aktuell als „Nachhaltigkeitskrise“. Diesen Aspekt stellt sie bei der Novellierung ihrer für den Herbst 2020 erwarteten Sustainable-Finance-Strategie heraus. Zu diesem Zweck hat die EU-Kommission im April auch eine Konsultation gestartet.

Im Allgemeinen ordnet die Europäische Kommission Sustainable Finance im Rahmen ihres Green Deal eine zentrale Rolle zu. Durch eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzwirtschaft sollen Kapitalflüsse verstärkt in ökologische und soziale Investitionen geleitet, Nachhaltigkeitsrisiken besser gesteuert sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen (ESG) stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Im Fokus der EU-Sustainable-Finance-Regulierung steht ein EU-weites Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem (Taxonomie), das im April vom Europäischen Rat final angenommen und nach einer Annahme im Europäischen Parlament bis zum Sommer 2020 vorliegen soll. Die Anforderungen an die Integration von ESG-Faktoren in den Anlageprozess einschließlich deren Offenlegung (anwendbar ab Frühjahr 2021) sowie an die

Ausgestaltung von Nachhaltigkeits-Benchmarks (sofort anwendbar) wurden bereits im Dezember 2019 veröffentlicht. Aktuell konsultieren die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) Durchführungsbestimmungen für die Offenlegung von ESG-Faktoren. Ebenso wurden von der ESMA Vorgaben zur Berücksichtigung von ESG-Aspekten in der Anlageberatung konsultiert. Ein delegierter Rechtsakt, der die MiFID II entsprechend anpasst, wird für dieses Jahr erwartet. Er soll zeitgleich mit der Disclosure-Verordnung anwendbar sein. Die Gruppe technischer Experten hat zudem Vorschläge für einen EU-Green-Bond-Standard unterbreitet. Ein Label für grüne Finanzprodukte soll 2020 folgen. Kritisch wird über die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken, basierend auf ESG-Kriterien, und deren Berücksichtigung im Eigenkapitalregime sowie im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) diskutiert. Die EBA wird sich zunächst voraussichtlich auf die Bewertung der ESG-Faktoren konzentrieren. Die BaFin hat im Dezember 2019 ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Die EU-Kommission konsultiert derzeit die künftige Gestaltung der Anforderungen an die Berichterstattung. Im Herbst 2020 möchte sie einen neuen Sustainable-Finance-Aktionsplan sowie Ende 2020 den Vorschlag zur Fortentwicklung der CSR-Richtlinie vorlegen.

Unsere Positionen

Wir sprechen uns dafür aus, dass vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Krise im Rahmen von langfristigen Konjunkturprogrammen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland Nachhaltigkeitserwägungen aufgegriffen werden sollten. Dies gilt insbesondere für die Stärkung des Gesundheitswesens und die Bereitstellung von verbesserten und klimafreundlichen Infrastrukturen und Leitindustrien.

Wir sind überzeugt, dass einheitliche Klassifizierungen und Standards für nachhaltige Finanzprodukte die Transparenz für Investoren erhöhen, Unklarheiten seitens der Emittenten abbauen und langfristig zum Marktwachstum und zur Finanzstabilität beitragen.

Wir setzen uns für die Besonderheiten des deutschen Kreditmarktes sowie des Klein- und Mittelstandes im Zusammenhang mit der Entwicklung von Transparenzanforderungen auf Unternehmensebene im Rahmen der Taxonomie ein.

Wir begrüßen den EBA-Vorschlag, sich dem Thema schrittweise zu nähern. Erst wenn es eine einheitliche Vorgehensweise bei den ESG-Faktoren gibt, sollte über mögliche Vorgaben für den SREP nachgedacht werden. Kapitalerleichterungen für grüne Kredite darf es nur auf Grundlage messbar niedriger Risiken geben. Für überlegenswert halten wir die Idee der Bundesregierung zu einem Garantierahmen für nachhaltige Finanzierungen.

Wir sind der Überzeugung, dass eine nicht produktspezifische ESG-Offenlegung transparent und einheitlich in der jährlichen nichtfinanziellen Erklärung erfolgen sollte. Das Ausmaß der Berichterstattung soll dabei dem Risikomanagement folgen. Prinzipienorientierte globale Berichterstattungsstandards sollten angestrebt werden.

Wir halten für eine verpflichtende Einbeziehung von ESG-Kriterien in der Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung die Standardisierung und Vergleichbarkeit von ESG-Kriterien für notwendig.

Wir sind überzeugt, dass es eines branchenspezifischen Übergangszeitraumes mit wirtschafts-, umwelt- und fiskalpolitischer Flankierung bedarf, damit die Wirtschaft nachhaltig transformiert werden kann.