Sustainable Finance

Die neue Europäische Kommission ordnet Sustainable Finance im Rahmen ihres Green Deal eine zentrale Rolle zu. Durch eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzwirtschaft sollen Kapitalflüsse verstärkt in ökologische und soziale Investitionen geleitet, Nachhaltigkeitsrisiken besser gesteuert sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen (ESG) stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

2018 hat die EU-Kommission einen Aktionsplan zur nachhaltigen Finanzierung und erste Legislativvorschläge veröffentlicht. Zentral ist dabei ein EU-weites Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem (Taxonomie), das bis zum Frühjahr 2020 final vorliegen soll. Die Anforderungen an die Integration von ESG-Faktoren im Anlageprozess einschließlich deren Offenlegung (anwendbar ab Frühjahr 2021) sowie an die Ausgestaltung von Nachhaltigkeits-Benchmarks (sofort anwendbar) wurden im Dezember 2019 veröffentlicht. Ebenso wurden von der ESMA Vorgaben zur Berücksichtigung von ESG-Aspekten in der Anlageberatung konsultiert. Ein delegierter Rechtsakt, der die MiFID II entsprechend anpasst, wird für dieses Jahr erwartet. Er soll zeitgleich mit der Disclosure-Verordnung anwendbar sein. Die technische Expertengruppe hat zudem Vorschläge für einen EU Green Bond Standard unterbreitet. Ein Label für grüne Finanzprodukte soll 2020 folgen.

Kritisch wird über die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken, basierend auf ESG-Kriterien, und deren Berücksichtigung im Eigenkapitalregime sowie im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) diskutiert. Die EBA wird sich zunächst voraussichtlich auf die Bewertung der ESG-Faktoren konzentrieren. Die BaFin hat im Dezember 2019 ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Eine Offenlegung von ESG-Risiken wird nunmehr auch im Rahmen der EU-Bankenverordnung von großen Instituten gefordert. Die EU-Kommission konsultiert derzeit die künftige Gestaltung der Anforderungen an die Berichterstattung im Rahmen einer sogenannten CSR-Roadmap. Im Herbst 2020 möchte sie einen neuen Sustainable-Finance-Aktionsplan sowie im vierten Quartal 2020 den Vorschlag zur Fortentwicklung der CSR-Richtlinie vorlegen.

Unsere Positionen

Wir sind überzeugt, dass einheitliche Klassifizierungen und Standards für nachhaltige Finanzprodukte die Transparenz für Investoren erhöhen, Unklarheiten seitens der Emittenten abbauen und langfristig zum Marktwachstum und zur Finanzstabilität beitragen.

Wir halten es für richtig, dass bei der Entwicklung einer Taxonomie vorerst die ökologische Dimension im Vordergrund steht. Wir erachten jedoch eine stärkere Berücksichtigung von weiteren Nachhaltigkeitskriterien perspektivisch für sinnvoll.

Wir setzen uns für die Besonderheiten des deutschen Kreditmarktes sowie des Klein- und Mittelstandes im Zusammenhang mit der Entwicklung von Transparenz­anforderungen auf Unternehmensebene im Rahmen der Taxonomie ein.

Wir begrüßen den EBA-Vorschlag, sich dem Thema schrittweise zu nähern. Erst wenn es eine einheitliche Vorgehensweise bei den ESG-Faktoren gibt, sollte über mögliche Vorgaben für den SREP nachgedacht werden. Kapitalerleichterungen für grüne Kredite darf es nur auf Grundlage messbar niedriger Risiken geben. Für überlegenswert halten wir die Idee der Bundesregierung zu einem Garantierahmen für nachhaltige Finanzierungen.

 

Wir sind der Meinung, dass eine ESG-bezogene, nicht produktspezifische Offenlegung für Stakeholder transparent und einheitlich in der jährlichen nichtfinanziellen Erklärung erfolgen sollte. Das Ausmaß der Berichterstattung soll dabei den Entwicklungen im Risikomanagement folgen und nicht umgekehrt.

Wir halten für eine verpflichtende Einbeziehung von ESG-Kriterien in der Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung die Standardisierung und Vergleichbarkeit von ESG-Kriterien für notwendig.

Wir sind überzeugt, dass es eines branchenspezifischen Übergangszeitraumes sowie einer wirtschafts-, umwelt- und fiskalpolitischen Flankierung bedarf, damit die Wirtschaft nachhaltig transformiert werden kann.