Sustainable Finance

Die COVID-19-Pandemie wertet die EU-Kommission aktuell als „Nachhaltigkeitskrise“. Diesen Aspekt stellt sie bei der Novellierung ihrer für April 2021 erwarteten Sustainable- FinanceStrategie heraus.

Im Fokus der EU-Sustainable-Finance-Regulierung steht ein EU-weites Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem (Taxonomie), das ab 2022 anwendbar ist. Der für Ende 2020 erwartete Delegierte Rechtsakt zur Konkretisierung der ersten zwei Umweltziele wird aufgrund industriepolitischer Diskussionen verspätet für April 2021 erwartet.

Die Anforderungen an die Integration von ESG-Faktoren im Anlageprozess einschließlich deren Offenlegung (SFDR, anwendbar ab Frühjahr 2021) sowie an die Ausgestaltung von Nachhaltigkeits-Benchmarks (sofort anwendbar) sind bereits im Dezember 2019 in Kraft getreten. Die ESAs haben Technische Regulierungsstandards zur konkreten Ausgestaltung der Offenlegungspflichten nach der SFDR veröffentlicht. Ein delegierter Rechtsakt der EU-Kommission steht noch aus. Ebenso wird ein delegierter Rechtsakt, der die MiFID II entsprechend anpasst, zeitnah erwartet. Die EU-Kommission hat zudem Vorschläge für einen EU Green Bond Standard konsultiert. Ein Label für grüne Finanzprodukte soll ebenfalls folgen.

Über die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken und deren Berücksichtigung im Eigenkapitalregime sowie im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) wird weiter intensiv diskutiert. Im Dezember 2019 hatte die BaFin ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Im November 2020 hat die EZB einen Leitfaden zum Umgang mit Klima- und Umweltrisiken veröffentlicht. Die EBA hat Ende 2020 ein Diskussionspapier zum Management und zur Überwachung von ESG-Risiken zur Konsultation gestellt. Die EU-Kommission plant, spätestens im April 2021 den Vorschlag zur Novellierung der NFRD zur Fortentwicklung der nichtfinanziellen Berichterstattung vorzulegen. Noch im ersten Quartal 2021 wird die EBA auch den technischen Umsetzungsstandard (ITS) zur ESG-Offenlegung im aufsichtlichen Säule-3-Bericht konsultieren sowie ihre Empfehlung zu Angaben nach Art. 8 Taxonomie-Verordnung veröffentlichen.

Die EU-Kommission plant zudem für 2021 einen Legislativvorschlag zum Thema „nachhaltige Corporate Governance“.

Unsere Positionen

Wir sprechen uns dafür aus, dass vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Krise im Rahmen von langfristigen Konjunkturprogrammen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland Nachhaltigkeitserwägungen aufgegriffen werden sollten. Dies gilt insbesondere für die Stärkung des Gesundheitswesens und die Bereitstellung von klimafreundlichen Infrastrukturen und Leitindustrien.

Wir setzen uns für eine Beachtung der Besonderheiten des deutschen Kreditmarktes im Zusammenhang mit der Entwicklung von Transparenzanforderungen für Banken im Rahmen der Taxonomie ein. Schwellenwerte und eine temporäre Begrenzung der Vorgaben auf das Neugeschäft können die Praxistauglichkeit massiv erhöhen.

Wir begrüßen den EBA-Vorschlag, sich dem Thema schrittweise zu nähern. Erst wenn es eine einheitliche Vorgehensweise bei den ESG-Faktoren gibt, sollte über mögliche Vorgaben für den SREP nachgedacht werden. 

Wir setzen uns für längere Umsetzungszeiträume ein. Kapitalerleichterungen für grüne Kredite darf es nur auf Grundlage messbar niedriger Risiken geben. Wir unterstützen einen Garantierahmen der Bundesregierung für nachhaltige Finanzierungen.

Wir sind der Überzeugung, dass eine nicht produktspezifische ESG-Offenlegung transparent und einheitlich in der jährlichen nichtfinanziellen Erklärung erfolgen sollte. Das Ausmaß der Berichterstattung soll dabei dem Risikomanagement folgen. Prinzipienorientierte globale Berichterstattungsstandards sollten angestrebt werden.

Wir halten für eine verpflichtende Einbeziehung von ESG-Kriterien in der Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung die Standardisierung und Vergleichbarkeit von ESG-Kriterien für notwendig.

Wir sind überzeugt, dass es eines branchenspezifischen Übergangszeitraumes sowie einer wirtschafts-, umwelt- und fiskalpolitischen Flankierung bedarf, damit die Wirtschaft nachhaltig transformiert werden kann.