Sustainable Finance

Durch eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzwirtschaft sollen Kapitalflüsse verstärkt in ökologische und soziale Investitionen geleitet, Nachhaltigkeitsrisiken besser gesteuert sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen (ESG) stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Dies bekräftigt die EU-Kommission auch in ihrer im Juli 2021 veröffentlichten neuen Sustainable Finance Strategie.

Im Fokus steht dabei ein EU-weites Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem (Taxonomie). Der delegierte Rechtsakt zur Konkretisierung der ersten zwei auf das Klima bezogenen Umweltziele wurde aufgrund zahlreicher industriepolitischer Diskussionen unter den Mitgliedsstaaten verspätet im April 2021 veröffentlicht. Die umstrittensten Themen fossiles Gas und Atomkraft wurden nicht integriert. Der Ministerrat hat daher beschlossen, die Prüfperiode des Rechtsaktes um zwei Monate bis zum 8. Dezember 2021 zu verlängern. Ebenfalls hat die EU-Kommission im Juli 2021 den zweiten delegierten Rechtsakt zur Offenlegung von Taxonomie-Kennzahlen (Art. 8) angenommen. Er weist eine hohe Granularität auf hinsichtlich der Berechnung und Darstellung der für Kreditinstitute u.a. neuen Green Asset Ratio. Die Pflicht zur Offenlegung startet mit dem Berichtsjahr 2021.

Die Sustainable Finance Plattform der EU (SFP) hat im August 2021 einen Bericht mit vorläufigen Empfehlungen zu technischen Bewertungskriterien für die verbleibenden vier Umweltziele (Art. 9) veröffentlicht. Auf Basis eines finalen Berichtes der SFP wird die EU-Kommission einen dritten delegierten Rechtsakt bis zum zweiten Quartal 2022 erlassen. Ebenfalls konsultierte die SFP bis September 2021 ihre Konzepte zu einer sogenannten „sozialen“ und „schädlichen“ Taxonomie. Die finalen Berichte sollen im vierten Quartal 2021 an die EU-Kommission übergeben werden. Letztere entscheidet schließlich bis Ende 2021, ob und wie die Taxonomie in diesen Bereichen weiterentwickelt wird.

Die Anforderungen an die Offenlegung von ESG-Faktoren einschließlich deren Integration in den Anlageprozess (SFDR) sowie an die Ausgestaltung von Nachhaltigkeits-Benchmarks sind bereits im Dezember 2019 in Kraft getreten. Die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) haben Entwürfe für Technische Regulierungsstandards (RTS) zur Ausgestaltung der Offenlegungspflichten nach SFDR veröffentlicht und Offenlegungspflichten bei Produkten konsultiert, die die Vorgaben der Taxonomie erfüllen.

Im Juli entschied die EU-Kommission, alle RTS zur SFDR zu einem späteren Zeitpunkt gleichzeitig zu erlassen und die Anwendbarkeit auf den 1. Juli 2022 festzulegen. Schließlich hat die EU-Kommission Ende April die delegierten Rechtsakte zur MiFID II veröffentlicht, mit denen die Vorgaben für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden bei Anlageberatung und Portfoliomanagement und die Ausgestaltung von nachhaltigen Finanzinstrumenten konkretisiert werden. Um den Markt für grüne Anleihen zu harmonisieren, hat die EU-Kommission einen Verordnungsvorschlag für einen EU Green Bond Standard vorgelegt.

Über die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken und deren Berücksichtigung im Eigenkapitalregime sowie im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) wird weiter intensiv diskutiert. Im Dezember 2019 hatte die BaFin ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht und in 2021 bei einer Auswahl von 100 Instituten abgefragt. Die EZB hat wiederum im November 2020 einen Leitfaden zum Umgang mit Klima- und Umweltrisiken veröffentlicht. Anfang 2021 hat sie alle betroffenen Institute (SIs) um eine Selbsteinschätzung gebeten, inwieweit sie die 13 aufsichtlichen Erwartungen des Leitfadens erfüllen. Im Juni 2021 hat die EBA ihren Bericht zum Management und zur Überwachung von ESG-Risiken veröffentlicht. Im ersten Halbjahr 2021 hat die EBA auch den technischen Durchführungsstandard (ITS) zur ESG-Offenlegung im aufsichtlichen Säule 3-Bericht konsultiert, nach dem große kapitalmarktorientierte CRR-Kreditinstitute erstmals für 2022 Angaben zu ESG-Risiken tätigen müssen.

Die EU-Kommission hat im April 2021 einen Vorschlag zur Novellierung der Richtlinie über die nichtfinanzielle Berichterstattung (NFRD) mit dem ersten Berichtsjahr 2023 vorgelegt. Mit dieser sogenannten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sollen mehrere Richtlinien und die Abschlussprüferverordnung angepasst werden. Neben der Erweiterung der Inhalte soll der Anwendungsbereich der verpflichtenden handelsrechtlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung auf alle großen Unternehmen einschließlich Banken und die meisten kapitalmarktorientierten Unternehmen ausgeweitet werden. Die Taxonomie-Verordnung ist mit Angabepflichten nach Art. 8, die erstmals in der nichtfinanziellen Erklärung für das Geschäftsjahr 2021 gefordert werden, der NFRD-Novellierung zuvorgekommen, wobei hier die detaillierten Angaben erst ab dem dritten Berichtsjahr erwartet werden.

Die EU-Kommission plant zudem einen Legislativvorschlag zum Thema „nachhaltige Corporate Governance“. Die Unternehmen sollen dazu ermutigt werden, nachhaltigkeitsbezogene Aspekte zu berücksichtigen und sich stärker auf eine langfristige nachhaltige Wertschöpfung zu konzentrieren.

Unsere Positionen

Wir begrüßen die EBA-Position, sich dem Thema ESG-Risiken schrittweise zu nähern. Insbesondere setzen wir uns für längere Umsetzungszeiträume ein. Wir weisen auch darauf hin, dass geeignete Verfahren und Methoden noch entwickelt werden und sich Marktstandards herausbilden müssen. Kapitalerleichterungen für grüne Kredite darf es nur auf Grundlage messbar niedriger Risiken geben. Wir unterstützen einen Garantierahmen der Bundesregierung für nachhaltige Finanzierungen.

Wir sind der Überzeugung, dass eine nicht produktspezifische ESG-Offenlegung transparent und einheitlich in der jährlichen nichtfinanziellen Erklärung im bzw. optional außerhalb des Lageberichts erfolgen sollte. Das Ausmaß der Berichterstattung soll dabei dem Risikomanagement folgen. Prinzipienorientierte globale Berichterstattungsstandards sollten angestrebt werden.

 

Die Granularität der neuen Vorgaben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Institute erscheint zu hoch und die Zeitlinie für die Umsetzung ambitioniert. Zudem müssen Inkonsistenzen, wie z. B. divergierende Zeitpunkte der Erstanwendung, beseitigt sowie fehlende bzw. unklare Definitionen strukturiert ausgearbeitet werden.

Wir halten für eine verpflichtende Einbeziehung von ESG-Kriterien in der Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung die Standardisierung und Vergleichbarkeit von ESG-Kriterien für notwendig. Die Vorgaben für nachhaltige Produkte nach der SFDR und die im Rahmen der Anlageberatung geltenden Vorgaben nach der delegierten Verordnung zur MiFID II sind unterschiedlich ausgestaltet. Dies erschwert eine einheitliche Offenlegung und Produktgestaltung und ist zudem für Kunden schwer nachvollziehbar.