Sustainable Finance

Die COVID-19-Pandemie wertet die EU-Kommission aktuell als „Nachhaltigkeitskrise“. Diesen Aspekt stellt sie bei der Novellierung ihrer für Ende 2020 erwarteten Sustainable-Finance- Strategie heraus. Zu diesem Zweck hat die EU-Kommission im Frühjahr 2020 eine Konsultation gestartet.

Durch eine nachhaltige Ausrichtung der Finanzwirtschaft sollen Kapitalflüsse verstärkt in ökologische und soziale Investitionen geleitet, Nachhaltigkeitsrisiken besser gesteuert sowie Umwelt-, Sozial- und Governance-Erwägungen (ESG) stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Im Fokus der EU-Sustainable-Finance- Regulierung steht ein EU-weites Nachhaltigkeitsklassifizierungssystem (Taxonomie), das im Juli 2020 in Kraft getreten und ab 2022 anwendbar ist.

Die Anforderungen an die Integration von ESG-Faktoren im Anlageprozess einschließlich deren Offenlegung (anwendbar ab Frühjahr 2021) sowie an die Ausgestaltung von Nachhaltigkeits- Benchmarks sind bereits im Dezember 2019 in Kraft getreten.

Ebenso wurden von der ESMA Vorgaben zur Berücksichtigung von ESG-Aspekten in der Anlageberatung konsultiert. Ein delegierter Rechtsakt, der die MiFID II entsprechend anpasst, wird zeitnah erwartet. Die EU Kommission hat zudem Vorschläge für einen EU Green Bond Standard konsultiert. Ein Label für grüne Finanzprodukte soll folgen.

Über die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken und deren Berücksichtigung im Eigenkapitalregime sowie im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) wird intensiv diskutiert. Nachdem die BaFin im Dezember 2019 ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht hat, hat die EZB im Mai 2020 einen Leitfaden zum Umgang mit Klima- und Umweltrisiken zur Konsultation gestellt. Die EU Kommission plant, spätestens Anfang 2021 den Vorschlag zur Fortentwicklung der nichtfinanziellen Berichterstattung vorzulegen. Die Taxonomie-Verordnung ist bereits mit Angabepflichten für Unternehmen zuvorgekommen, die erstmals in der nichtfinanziellen Erklärung für das Geschäftsjahr 2021 gefordert werden. Im ersten Quartal 2021 wird die EBA auch den technischen Umsetzungsstandard (ITS) zur ESG Offenlegung im aufsichtlichen Säule-3-Bericht konsultieren. Die EU-Kommission plant zudem für 2021 einen Legislativvorschlag zum Thema „nachhaltige Corporate Governance“ und hat im Vorgriff dazu einen Fragebogen veröffentlicht.

Unsere Positionen

Wir sprechen uns dafür aus, dass vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Krise im Rahmen von langfristigen Konjunkturprogrammen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland Nachhaltigkeitserwägungen aufgegriffen werden sollten. Dies gilt insbesondere für die Stärkung des Gesundheitswesens und die Bereitstellung von klimafreundlichen Infrastrukturen und Leitindustrien.

Wir sind überzeugt, dass einheitliche Klassifizierungen und Standards für nachhaltige Finanzprodukte die Transparenz für Investoren erhöhen, Unklarheiten seitens der Emittenten abbauen und langfristig zum Marktwachstum und zur Finanzstabilität beitragen.

Wir setzen uns für eine Beachtung der Besonderheiten des deutschen Kreditmarktes sowie des Klein- und Mittelstandes im Zusammenhang mit der Entwicklung von Transparenzanforderungen für Banken im Rahmen der Taxonomie ein. Schwellenwerte können die Praxistauglichkeit massiv erhöhen.

 

Wir begrüßen den EBA-Vorschlag, eine schrittweise, einheitliche Vorgehensweise bei ESG-Faktoren anzustreben. Erst dann sollte über mögliche Vorgaben für den SREP nachgedacht werden. In dem Zusammenhang setzen wir uns für längere Umsetzungszeiträume ein. Kapitalerleichterungen für grüne Kredite darf es nur auf Grundlage messbar niedriger Risiken geben. Für überlegenswert halten wir die Idee der Bundesregierung zu einem Garantierahmen für nachhaltige Finanzierungen.

Wir sind der Überzeugung, dass eine nicht produktspezifische ESG-Offenlegung einheitlich in der jährlichen nichtfinanziellen Erklärung erfolgen sollte. Das Ausmaß der Berichterstattung soll dabei dem Risikomanagement folgen. Prinzipienorientierte globale Berichterstattungsstandards sollten angestrebt werden.

Wir sind überzeugt, dass es eines branchenspezifischen Übergangszeitraumes sowie einer wirtschafts-, umwelt- und fiskalpolitischen Flankierung bedarf, damit die Wirtschaft nachhaltig transformiert werden kann.